
Friseure sind zu teuer! Das behaupten mehr als die Hälfte der deutschen Frauen. Bei der repräsentativen IKV Umfrage im Jahre 2000 waren genau 69 % der befragten Frauen dieser Meinung. Andere Erhebungen großer Frauenmagazine oder auch Institute kommen bis heute zum gleichen oder ähnlichen Ergebnis.
Billiger werden, die Preise senken ? Nein, das geht kaum und ist auch nicht notwendig. Die genaue Analyse der Befragungen zeigt letztendlich das nicht der vermeintlich zu hohe Preis im Kreuzfeuer der Kritik steht, sondern die Unübersichtlichkeit der Angebote und Preise.
Haarschnitt ist erst einmal Haarschnitt. Zumindest aus Kundensicht.
Den Qualitätsstandard welchen die meisten Friseure sich selber auferlegen kennt die Kundin nicht. Sie merkt: ich komme mit dem Schnitt zurecht, oder eben nicht. Diese Erfahrung machen Frauen 2005 in hochpreisigen Salons ebenso wie beim 10,- €uro Friseur, - und sie reden darüber!
Durch diese Vergleichbarkeit sinkt das Verständnis für den Preisunterschied, die stark differierenden Preise werden für die Kundin ( für eine vermeintlich gleiche Leistung ) unglaubwürdig.
Die Industrie tut das ihrige dazu: für 7,95 Euro eine tolle Farbe aus dem Drogeriemarkt, mit Booster - mit fast unendlich langer Haltbarkeit und unübertrefflichen Glanz. Welcher Friseur kann da preislich mithalten? Aus Kundensicht bezahlt Friseur natürlich im Einkauf noch deutlich weniger für diese Farbe, verlangt aber... !
Auch beim Friseur hat die „Geiz ist geil Mentalität“ Einzug gehalten. Nicht nur die 10.- €uro Salons - die länger überleben als vorhergesagt - beweisen dies. Der TV Sender RTL brachte kürzlich einen Test mit versteckter Kamera um zu zeigen bei wie vielen Haarkünstlern an der Preisschraube gedreht werden kann. Für Kunden/innen nachahmenswert...!
Zunehmend sind Mitarbeiter ( aber auch Chefs ) verunsichert durch Kunden /innen die über zu wenig Geld und zu hohe Preise stöhnen, jammern und klagen. Selten zuvor war eine gute Preistransparenz und Preiskommunikation so wichtig wie Heute, darum ist besonders für Mitarbeiter einiges an Wissen rund notwendig und hilfreich wenn im Gespräch mit Kunden das Thema Preise zur Sprache kommt.
Im Einzelhandel wird anders kalkuliert als im Friseursalon:
Auf den Einkaufspreis der Ware werden sämtliche Kosten ( Miete, Energie, Steuern, Werbung usw ) aufgeschlagen. Plus ein Gewinnanteil der kalkuliert wird.
Teilweise entsteht hierdurch ein Aufschlag bis zu 400 % vom Einkaufspreis.
Läßt sich die Ware nicht gut verkaufen, ist meist so viel Spielraum vorhanden das Rabatt gegeben werden kann. Selbst bei 70% Rabatt bekommt dann mancher Händler seinen Einkaufspreis zurück.
Im Friseursalon werden die entstehenden Kosten kalkuliert und durch die Öffnungszeit geteilt. So werden die Kosten pro Stunde ermittelt. Danach werden diese Kosten plus Gewinnanteil auf die einzelnen Dienstleistungen zeitanteilig umgerechnet.
Würde hier ein höherer Gewinn oder Spielraum kalkuliert so wie es in vielen Branchen üblich ist hätten wir Friseurpreise die jeden Friseursalon leer stehen ließen. In der Friseurbranche sind die Margen so knapp kalkuliert das Rabatte in der Regel nicht möglich sind.
Um es genau zu sagen: „Rabatte sind meist vorher aufgeschlagener Gewinn“
Tatsache aber auch:
Großkonzerne und Industrie haben steuerlich ganz andere Möglichkeiten als Mittelstand oder Kleinunternehmer. Das führt zu der Situation dass viele Großkonzerne kaum noch Steuern zahlen, aber der Friseur 44 % für Steuern und Sozialabgaben von seiner Einnahme abführen muss
Wenn die Kundin dann an der Kasse für 2 Stunden Handwerksleistung mit Beratung und Service 100,- €uro bezahlen muss, mag das aus Kundensicht viel Geld sein. Real bleiben von diesen 100,- €uro aber nur 56,- €uro für den Salon.
Von diesen 56,- €uro muss der Friseurunternehmer dann noch Nettolöhne, Ware – Material, Energiekosten, Miete, Werbung, Versicherungen, Beiträge für Innung, Gema, GEZ, Handwerkerschaft und manches mehr bezahlen.
Kunden ( aber auch manche Friseurinnen ) wissen dieses nicht. Ein wenig Personalkosten ( Friseurinnen verdienen ja nichts ) ein bisschen Wasser, Strom und Miete, da muss ja ganz schön was übrig bleiben ! Material? Nun die Kundin weiß ja was Spray, Schaum oder Farbe im Drogeriemarkt kosten, - und geht davon aus das der Friseur noch weniger dafür bezahlt !

Damit hat der Schwund aber noch kein Ende: der Saloninhaber muss vom Rest noch seine Einkommenssteuer, Kranken und Rentenversicherung bezahlen, so das am Ende von den 100,- €uro welche die Kundin bezahlte lediglich 4,30 €uro übrig bleiben die der Friseur dann wirklich verdient hat.
Bei durchschnittlich 7 Kunden/innen pro Mitarbeiter und Tag sind es heute somit keine Reichtümer mehr die als Unternehmerlohn zusammenkommen. Die Realität zeigt das mancher Saloninhaber kaum mehr verdient als seine Mitarbeiter. Der Betriebsvergleich 2003 für das Friseurhandwerk sagt es deutlich: „im Durchschnitt gelang es den Betrieben nicht einen (für den Lebensunterhalt) auskömmlichen Ertrag zu erzielen...“
Auch das darf eine Kundin wissen ! Es macht wenig Sinn nach Außen eine Welt aus Mode, Erfolg und Scheinwerferlicht zu präsentieren wenn die Realität im Innern gegenteilig aussieht.
Es ist wichtig der Kundin zu vermitteln das nur ein geringer Teil des zu zahlenden Betrages als Gewinn im Salon verbleibt. Dieses kann auch über den Kassenbon kommuniziert werden, zum Beispiel: „ Liebe Kundin! 44,1 % des von Ihnen gezahlten Betrages werden von uns direkt für Steuern und Sozialversicherungen an den Staat abgeführt“
Schnell kommt bei solchen Gesprächen der Hinweis auf Preise der 10,- €uro Friseure. Wieso können die den so billig arbeiten und trotzdem existieren. In den Augen der Kundin ist Ihre Argumentation in Hinblick auf diese Preisgestaltung nämlich erst einmal unglaubwürdig! Dabei ist die Sachlage relativ einfach erklärbar.
Vom Grunde her haben Friseursalons erst einmal eine vergleichbare Kostenstruktur. Auch der 10,- €uro Friseur zahlt Steuern, Miete, Ware oder Personal. Genau hier fangen aber die Unterschiede an. Viele dieser Salons beschäftigen nur sehr junge Mitarbeiter die preiswerter sind, auch an Salongestaltung, Service oder Weiterbildung wird oft und gerne (aber nicht immer) gespart. Somit wird kaufmännisch perfekt durchdacht die Kostenschraube nach unten gedreht.
Fakt ist: diese Salons verzeichnen einen schnelleren und höheren Kundendurchlauf. Trotz gesenkter Kosten brauchen sie ein paar Kunden mehr pro Tag um gewinnbringend zu arbeiten. Ein Konzept das meist aufgeht, Ihnen aber weder Kopfzerbrechen oder Panik Quelle: veröffentlicht in TopHair 16/2005 - Weiterverwendung nur mit Genehmigung des Autors
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07.02.2012 - 20:55:04 Letzte Aktualisierung: 07.02.2012
ISSN - 2190-9873
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