
Bei Umfragen der Verbände (an die Friseure) zeigt sich ein Bild der allgemeinen Zufriedenheit mit der geschäftlichen Entwicklung im eigenen Salon.
Alles ist so wie es sein sollte, könnte man meinen und bekommt das im Gespräch mit Unternehmern immer wieder bestätigt. „Die Geschäfte laufen prima, es könnte nicht besser sein!“, so die Aussagen.
Auch Institute, die sich mit Marktforschung befassen und Prognosen über künftige wirtschaftliche Entwicklungen erfragen, bestätigen: „Friseure neigen dazu ,alles mit einer rosaroten Brille zu sehen. Seit Jahren ist die Umsatzentwicklung negativ für die einzelnen Betriebe. Die Unternehmer gehen hingegen Jahr für Jahr von einer positiven Erwartung aus.
Ein Trugschluss wie sich zeigt, zeigen der Wella Betriebsvergleich, wie auch der Betriebsvergleich der LGH Einkommenszahlen die zum Leben kaum noch reichen: durchschnittliches Unternehmereinkommen von 1.700,- €uro Brutto – Arbeit nicht gelohnt – hohe Verschuldungsrate, Banken die nicht mehr mit Friseuren zusammenarbeiten.
Dieser Widerspruch zwischen - von Friseuren beantworteten Umfragen - und der wirtschaftlichen Realität ist gewaltig. Darum baten wir zwei Experten zu diesem Thema um ihre Meinung:
Wir fragten:
Hannes Friedl
Unternehmensberater (nicht nur) für Friseure. Der Mensch als solches steht bei seiner Arbeit im Vordergrund, nicht der Kommerz. Obwohl die Zahlen auch stimmen müssen, aber der Erfolg seiner Mandanten gibt Hannes Friedel Recht: „zuerst der Mensch….! Alles andere kommt (fast) von selbst“
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Internet: homini.org
Patrik Kukuck
kein gewöhnlicher und klassischer Unternehmensberater sondern ein „Macher und Kümmerer“ der neue und unkonventionelle Wege geht und mit dem das Arbeiten wieder Spaß macht. Mit vielen neuen Ideen begeistert er Teams, mehrere Top Salons (des Jahres) gehören zu seinem Kundenkreis.
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Internet: Patrick Kukuck.de
Facebook: Patrick Kukuck Unternehmensberater aus Leidenschaft
• Wie erklären Sie diesen Widerspruch? Die Friseure reden von gut gehenden Geschäften aber manche Zahlen vom Existenzminimum…
Hannes Friedl : „Zum Durchschnittseinkommen eines Friseurchefs kann ich schlecht Stellung nehmen. Unsere Mandanten verdienen alle weit besser. Sollte es so sein, dann liegt das in den meisten Fällen an den Unternehmern selbst, denn immer noch machen die meisten wenig, um ihren geschäftlichen Erfolg zu beschleunigen.“
Patrik Kukuck „Eine allgemeine Zufriedenheit kann ich seit Jahren am Markt nicht erkennen, vielmehr der Aspekt und die Denke: Ich komme schon über die Runden und man plant und denkt eh mehr von Monat zu Monat. Die Erfahrung zeigt mir das die meisten Friseure auf der "Kurzstrecke", das bedeutet auf einen Zeitraum von 3-4 Wochen, gut sind in der Umsetzung und Verfolgung Ihrer Ziele, aber sobald es darum geht sich konsequent zu verhalten und zu agieren bereitet dies den meisten Schwierigkeiten. Wenn man die Aussagen vieler Friseure hört die vor kurzem Ihren Meisterbrief gemacht haben, kommen in der Regel immer zwei Aussagen: Für mein persönliches Ego und damit ich mich später mal selbstständig machen kann. Man hört selten die Antwort: Weil ich unbedingt mehr Geld im Leben verdienen möchte.“
• Wo hakt es in der Branche?
Hannes Friedl: „Die Arbeit am Stuhl ist halt nicht genug und vielen Chefs fehlt durch die mangelhafte Ausbildung in Meisterschulen und Businessseminaren der Industrie einfach der Hintergrund. Über die Befähigung, ein Unternehmen zu führen möchte ich dabei von Hause aus lieber schweigen. ich denke, wir haben mindestens 20.000 Chefs, die nicht wissen, was sie tun.“
Patrik Kukuck: „ Nach meiner persönlichen Einschätzung sind aktuell all die Friseurunternehmen sehr erfolgreich, die es verstanden haben, sich richtig und professionell am Markt zu positionieren und vor allem zu präsentieren. Die Friseurunternehmen ,die es verstanden haben kontinuierlich positive Gesprächsthemen zu initiieren und Ihren Kunden, also den Endverbrauchern,einen spürbaren Mehrwert an Leistung, Service, Kompetenz, Ambiente und Freundlichkeit bieten gehören eh seit Jahren zu den Gewinnern am Markt.
Dazu gehören zum Beispiel folgende Faktoren wie zb: iPad im Salon, eine moderne Saloneinrichtung, ein umfassender Kundenservice, Mitarbeiter Brainstormings, Kunden- und Passantenbefragungen, aktuelle und innovative Webseiten. geschäftliche Facebook Seiten, interne Ausbildungspläne, transparente Preissysteme, eigene Fotokollektionen, mehr Image Konzeptionen als reine Preisaktionen u.v.m
All die Friseure, die bis dato noch der Meinung sind es reicht nur seine normalen und klassischen Dienstleistungen anzubieten, sich rein auf Angebote und niedrige Preise zu konzentrieren, stecken weiterhin in einer negativen Abwärtsentwicklung. Heutzutage habe ich als modern denkender und handelnder Friseur nicht mehr eine reine Versorgungsfunktion sondern primär eine Erlebnisfunktion gegenüber meinen potenziellen Kunden. Leider hat das die breite Masse an Unternehmen bis dato immer noch nicht erkannt und umgesetzt. Viele Unternehmer befinden sich in einer Lethargie und sind mit dem, was Sie an Basisumsatz erwirtschaften zufrieden und scheuen es, sich neu an Ihrem Standort zu präsentieren. Es sind gerade die Friseure die Probleme bekommen, sobald sich an Ihrem Standort 2-3 neue Mitbewerber im gleichen Preissegment positionieren bzw. neue Geschäfte eröffnen. Die Endverbraucher sind heutzutage sehr sensibel und neugierig hinsichtlich Veränderungen und registrieren sehr schnell wo und bei wem Ihnen Mehr fürs Geld geboten wird.
• Verbesserungsvorschläge?
Hannes Friedl: „ An der Veränderung dieses Zustands arbeiten wir seit vielen Jahren hart und versuchen nicht nur Hilfestellung zu leisten, sondern vor allem ein Bewusstsein zu schaffen für unternehmerische Hausaufgaben, Sparen und Strukturen im Betrieb. Wir kooperieren hier mit gutem Erfolg mit zahlreichen Innungen und fünf Landesverbänden
Für das Gros der Friseurchefs sehe ich allerdings schwarz. Viele Betriebe hatten noch nie eine Existenzberechtigung- primär deshalb, weil deren Chefs viel zu schwach aufgestellt sind, um einen Betrieb zum Erfolg zu führen und -viel schlimmer noch- nichts ernsthaft dazu tun, um ihre Situation zu verbessern. Zur Klärung des Markts plädieren wir bereits seit sechs Jahren für eine Computerpflicht bei Friseuren und intensivere Steuerprüfungen.“
Patrik Kukuck: Warum machen sich den immer noch so viele Friseure selbstständig? Doch bestimmt nicht aus dem Grunde viel Geld zu verdienen, sondern primär weil ich mein eigener Chef sein will, mich kreativ verwirklichen möchte, weil ich selbst über meine erwirtschafteten Einnahmen verfügen möchte. Die Branche hat sich in der Breite in den letzten 10 Jahren nicht weiterentwickelt, aber es entsteht langsam bei hunderten von Friseuren eine neue Denkweise sich besser und effektiver zu vermarkten und neu am Markt zu positionieren, und Ihr Unternehmen bewusster und gezielter nicht auf die eigenen Wünsche sondern die der Endverbraucher auszurichten. Es gibt also noch sehr viel zu tun, mehr Unternehmer als Unterlasser ist die Botschaft für die Zukunft!“
Friseur-news:
Das sind Statements von zwei durchaus erfolgreichen Beratern. Nicht unbedingt erfreulich, aber diese Aussagen decken sich mit den Erfahrungen vieler weiterer Fachleute. In der Friseurbranche herrscht vielfach Lethargie, eine Erfahrung die ich bestätigen kann.
Eine Vielzahl der Betriebe werden nicht nach kaufmännischen Regeln geführt. Mitarbeiter, die ihren Sollumsatz nicht erreichen, kosten Geld und schmälern den (ohnehin spärlichen) Gewinn des Chefs. Sanktionen? Keine, - man achtet auf Salonatmosphäre, duldet und spart (an Werbung und Weiterbildung) um die fehlenden Umsätze auszugleichen. Der Weg ins Unscheinbare, ins Mittelmaß ist begonnen. Damit es dann trotzdem zum Leben reicht, wird nachgeholfen… auch durch unrechtsmäßige Maßnahmen…
SIE !
Sie als Unternehmer haften dafür – mit allen, sich daraus ergebenden Konsequenzen. Das sollte Ihnen klar sein! Besonders in jüngster Zeit passiert das, was viele bisher nicht für möglich gehalten haben, Kontrollen und Prüfungen jeglicher Art – und für sehr viele Friseurunternehmer endet das plötzlich sehr böse! Vielleicht ist es doch besser aufzuwachen und einen Neubeginn zu wagen.
Einen guten Start wünschen wir Ihnen dazu!
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23.05.2012 - 06:59:52 Letzte Aktualisierung: 22.05.2012
ISSN - 2190-9873
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