
Qualitätsmanagement, Iso Norm, Kaizen, - Schlagworte 1998 im Friseurdeutschland, um die Friseure aus dem Jammertal in welches sie sich verlaufen haben, wieder hinauszuführen.
Qualitätsverbesserung im Friseurhandwerk. ist notwendig . An der Basis, dem Nachwuchs zu beginnen ist nicht verkehrt. Verfehlt aber das Ziel wenn die Lehrmeister ihre eigene Qualität nicht verbessern. Nicht nur in fachlicher Hinsicht
Qualität einmal anders diskutiert:
Quality for myself
Qualität für mich selbst
Qualität, - ein Wertbegriff. Deutsche Wertarbeit, - auch eine Definition von Qualität.
Qualität und Werte , Begriffe die zusammengehören, ohne einander nicht möglich sind.
Qualität, Wertarbeit, das sind Begriffe die eng mit den Eigenschaften Fleiß, Pünktlichkeit, Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit gekoppelt sind. Diese Fähigkeiten wird jeder brauchen der eine deutliche Leistungssteigerung zu seinem Ziel erklärt hat. Jeder Chef, jeder Mitarbeiter.
Hier fängt es aber an problematisch zu werden. Die Werte in unserem Land haben sich gewandelt. Aus einer Arbeitsgesellschaft der Nachkriegsgeneration ist eine Erlebnisgesellschaft geworden. "Fun" haben ist in, Ellenbogen sind es auch. Höflichkeit ist oft nur noch Floskel, ein gutes Miteinander wird immer seltener. Am Ende des zur Neige gehenden Jahrtausends ist es fast normal unpünktlich zu sein, ( immer diese Terminhetze...) blau zu machen ( ich fühlte mich einfach schlecht.....), etwas zu schummeln ( unsere Politiker machen es ja vor )
Ein Wertewandel hat sich vollzogen, war ein Thema in den letzten Jahren.
Erst die Arbeit, dann das Spiel, - so hieß es früher. Mittlerweile ist dies anders. Der Wert der Freizeit und des Erlebens hat heute einen höheren Stellenwert als der Wert des Schaffens. Zumindest für den größten Teil der Bevölkerung.
Zuverlässigkeit ? Ehe und Partnerschaft waren früher etwas solides. Ein Verbund auf biegen und brechen. Das galt für Ehepartner aber auch für das Arbeitsleben. Lediglich knapp 30 Jahre ist es her als einer der bekanntesten und beliebtesten Fernseh Talkmaster ( Lou van Burg ) in Schimpf und Schande die Bühne verlassen mußte, weil er sich von seiner Ehefrau scheiden ließ. Ein geschiedener Mann in Politik oder Führungsposition wäre noch Anfang der 60er Jahre undenkbar gewesen. Heute hat selbst unser Bundeskanzler mehrere Partnerschaften hinter sich, heute ist es normal seinen Partner zu wechseln wenn man keinen "Fun" mehr hat. Privat und beruflich.
So leben wir heute mit unseren "neuen Werten" und Vorstellungen, übersehen aber , das wir zum Weiterkommen im Sinne der Qualitätsverbesserung einiges von unseren alten Werten, welche wir in den 60er Jahren kompromißlos über Bord warfen, neu aktivieren müssen.
Um im Friseurhandwerk eine deutliche Verbesserung zu erreichen wird für jeden einzelnen viel Kraft und Einsatz nötig sein. Für einen Chef eigentlich selbstverständlich. Er profitiert als erster davon wenn "der Laden läuft"
Und die Mitarbeiter ? Ihnen wird gesagt werden müssen, welche Ziele es zu erreichen gilt.
Aber- wer hat sich vordem für die Interessen und Ziele dieser Mitarbeiter interessiert ? Hier gilt es erst einmal eine neue Basis zu schaffen.
Der Chef welcher meint, private Belange und eigene Meinung der Angestellten haben in seinem Salon nichts zu suchen, sind an der Eingangstür abzugeben, der darf sich auch nicht wundern, wenn die Mitarbeiter kein Gehör für seine Interessen zeigen.
Der Hinweis auf die zu erreichenden Umsatzzahlen reicht als Motivation nicht aus.
Ein Straßenkehrer verdiente in der BRD (1997) bereits am ersten Tag seiner beruflichen Laufbahn 2700,- brutto. Plus Zulagen : Schichtzulage, Schmutzzulage, Erschwerniszulage, Kleidergeld usw , so das er merklich auf über 3000.-DM / Monat kommt.
Am Anfang seiner beruflichen Tätigkeit ! Lohnerhöhung vorprogrammiert.
Eine Friseurmeisterin hat nach drei Lehr-, etlichen Gesellenjahren und erfolgreicher Meisterprüfung mit dementsprechendem Aufwand drastisch weniger, arbeitet oft zum Lohn einer Putzfrau.
Nicht nur dies : die Tariflöhne sollen Mindestlöhne sein. Vielfach werden diese mittlerweile unterlaufen. Mit dem Hinweis auf mangelnde Qualifikation werden die Tarifgehälter gekürzt. Wobei sich die erforderliche Qualifikation nicht unbedingt am Ausbildungsrahmenplan orientiert. Oder mit einem Obolus von 50,- oder 100,- DM über Tarif werden alle anderen Absprachen des Tarifvertrages außer Kraft gesetzt. Aufwand für Salonkleidung ? Überstunden ? Aber nein – es wird doch übertariflich entlohnt !
Die Vorzeigefriseurin mit Gehalt von 4000,- oder sogar 5000,- DM ist eben keine Realität sondern eher Rarität, nicht immer mit mangelnder Qualifikation zu begründen.
Friseurinnen die einen Monatsumsatz von 12.000 bis 15.000 DM erreichen, dafür eine Arbeitszeit deutlich jenseits der 40 Stunden Woche, plus 3-4 Abende Training pro Monat in Kauf nehmen, gehen in der Regel mit weniger als 3.000 DM brutto nach Hause. Das ist Fakt 1998
Von ihrer mangelnden Freizeit werden sich viele dieser Berufsangehörigen noch ein ganzes Stück abzwacken müssen um ein Zubrot zu verdienen, um im Sinn der Freizeit und Erlebnisgesellschaft mitleben zu können. Dem Betrieb fehlt dann nicht nur der Umsatz welcher durch Schwarzarbeit verloren geht, sondern auch die in der Freizeit verausgabte Arbeitskraft und Motivation.
Qualitätsverbesserung heißt auch : Seminare, Weiterbildung, Training.
Meist am Wochenende oder nach Feierabend , fast immer ohne Ausgleich ( ist ja zum eigenen Nutzen... ) ob Freizeit oder finanziell. Das bedeutet 150 % Leistung für 100 % Lohn. Motiviert das ?
Das Märchen vom blonden Blödchen als Friseuse ist ein Märchen. Die Mitarbeiter/innen von heute machen sich auch Gedanken. Besonders dann wenn eine Lohnerhöhung wegen der miserablen Lage im Friseurhandwerk absolut nicht möglich ist. Schließlich in jeder Fachzeitung nachzulesen ! Aber woher hat der Chef das Mehrfamilienhaus das bereits hypothekenfrei ist ? Das Wochenendhaus und die Segelyacht in Italien ? Das zweite chice Auto ? den Colluci Pulover ?
Das gibt zu denken, und nicht nur in Einzelfällen. Im Branchendurchschnitt nagt das Gewerbe am Existenzminimum. Sagen die Zahlen. Autos und Kleidung bei Veranstaltungen und Messen zeigen ein anderes Bild. Hier kommt schnell die Vermutung das die Zahlen so schlecht nun doch nicht sein können und nicht alles so ehrlich ........
Ehrlichkeit ist auch ein Wert. Verlange ich als Chef von jedem meiner Angestellten. Sie auch ?
Wie ehrlich sind Sie aber in den Augen Ihrer Mitarbeiter ? ( Besonders wenn Sie viel Schwarzlohn zahlen !?)
Was Sie von diesen verlangen , sollten Sie vorleben können. Konsequent und ohne Kompromisse. Fachlich, menschlich, moralisch. Das ist dann Ihre eigene Qualität, an der Sie sich messen lassen müssen, als Vorbild für Ihren Betrieb !
Übrigens:
Behaupte ich einfach mal : Chefs die ein erfolgreiches Unternehmen führen haben bereits diese Qualität !
Ja, und dann stellt sich trotzdem noch die Frage:
?Was ist Ihnen der erforderliche Mehreinsatz Ihrer Mitarbeiter wert ??
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