Schwarzarbeit

Düsseldorf, Stadt der Mode. Die Igedo als eine der größten Modemessen, viele Firmen und Designer die sich hier angesiedelt haben und eine Vielzahl von Werbefirmen und Modellagenturen beschäftigen.

Passend zum Umfeld Redaktionen und Fotografen, die das Thema Mode und Schönheit weiter vermarkten. Weltbekannt: die Königsallee als exklusive Einkaufsmeile. Tagsüber bummelt hier Prominente neben Otto Normalverbraucher, shoppen, sitzen in Straßencaffee’s oder gönnen sich einen Friseurbesuch. Bei derzeit 569 000 Einwohnern sind in Düsseldorf 587 Friseurbetriebe gemeldet. Pro 967 Einwohner (Baby’s, Kinder, Greise und bettlägerige mitgezählt!) gibt es einen Friseursalon. Da muss man sich schon gewaltig anstrengen, um 'über die Runden zu kommen' , dies weiß auch Silvia (35 Jahre) die hier auf der Königsallee als Friseurin tätig ist.

Silvia ist Friseurin aus Leidenschaft. Schon als kleines Mädchen hatte sie das Ziel, diesen Beruf zu ergreifen. Heute arbeitet sie absolut erfolgreich. Die Vielzahl der Stammkunden, welche nach ihr verlangen, beweist es.
Selbstständigkeit war nie ein Thema für sie. 'Nein, ich habe durch meinen (Tarif)lohn plus Umsatzbeteiligung und Trinkgelder ein geregeltes Einkommen, aber dies ohne schlaflose Nächte und 14 Stunden Arbeitszeit pro Tag, wie das bei fast allen Selbstständigen der Fall ist' sagt sie und macht einen zufriedenen Eindruck.

Das wandelt sich im Verlaufe des weiteren Gesprächs. Sie zeigt eine zornige Miene als sie über ihre Berufskolleginnen berichtet die im gleichen Vorort wohnen wie sie selber.

'Bei uns da draußen im Stadtteil ist es wie auf dem Dorf' erzählt sie. 'Jeder kennt jeden.'

Sie berichtet von Sport-, und Spielgruppen, Vereinen und Familien, - und von Friseurinnen, die vor Jahren in guten Salons tätig waren, und heute als Hausfrauen und Mütter ‚so nebenbei’ Taschen-, und Haushaltsgeld mit genau dieser erlernten Tätigkeit aufbessern. 'Die nehmen uns mit ihren Billigpreisen die Arbeit weg' schimpft Silvia. 'Wir haben in unserem Stadtteil auch einen Friseursalon, eigentlich konkurrenzlos! Aber wie sollen die existieren, wenn gut die Hälfte der Einwohner privat die Haare gemacht bekommt!?'

Weiter erzählt sie, dass es zumindest eine 'Ex-Friseurin' gibt, die wohl ganz professionell Schwarzarbeit betreibt. 'Die hat ein Zimmer ihrer Wohnung als Salon eingerichtet und arbeitet da fast jeden Tag. Vor Jahren ist sie wohl mal aufgefallen, aber der Rubel rollt auch heute noch!'

Das macht neugierig und lädt zum genaueren hinschauen ein.

Ein malerischer Ortsteil, am Rande von Düsseldorf, mit absolut dörflichen Charakter, rund 5000 Menschen leben hier. Ein Gemisch von Miet-, und Eigentumswohnungen, so wie kleinen Mehrfamilienhäusern, signalisieren das es sich hier nicht unbedingt um einkommensschwache Anwohnerstrukturen handelt. Schule, Kindergarten, Bank, mehrere Geschäfte und ein Friseursalon runden das Gesamtbild ab.

Der Salon Angermann macht einen guten Eindruck, innen und Außen ansprechend und durchdacht gestaltet, Lage gut und ohne Konkurrenz. 'Zumindest keine gemeldete' meint Frau Angermann lakonisch und berichtet von deutlichen Umsatzeinbußen durch einen hohen Anteil an Schwarzarbeit.

'Hier wohnen etliche Friseurinnen, die offiziell nicht mehr berufstätig sind und sich als Hausfrauen ein schönes Taschengeld verdienen.' bestätigt sie die Aussage Silvias. 'Bei einer Kollegin habe ich vor Jahren versucht das zu unterbinden, die hat einen komplett eingerichteten Friseursalon in ihrer Wohnung' erzählt Frau Angermann und berichtet auf Nachfrage dass sie versucht hat über die örtliche Innung dagegen vorzugehen. 'Aber die erste Frage war, ob ich überhaupt Innungsmitglied sei. Als zweites dann die unverständliche Frage, ob die Schwarzarbeiterin einen Meistertitel habe (ist dann alles legal?) und ein Verweis und die Bitte, sich an die Gewerbeaufsicht zu wenden'.'Was sollen wir denn machen?' habe der Ansprechpartner bei der Innung gesagt und darauf hingewiesen, dass weder handfeste Beweise, noch ein richterlicher Durchsuchungsbefehl vorlägen. So einfach nur hören und wissen, - nein das reicht eben nicht!

Frau Angermann wandte sich an die Gewerbeaufsicht und wusste, das die Beschuldigte vor etlichen Jahren bereits schon einmal wegen des gleichen Vergehens, vom Finanzamt belangt und bestraft wurde.

Die Gewerbeaufsicht kümmerte sich um diesen Fall und besuchte die Heimfriseurin. Diese verwehrte den Beamten aber den Zutritt zur Wohnung und schaltete einen Rechtsanwalt ein. Hierdurch gelang ihr die Akteneinsicht und sie erfuhr, woher der Hinweis gekommen war. Für Frau Angermann wurde in der nachfolgenden Zeit jeder Gang zum Spießrutenlauf. Sie wurde als Denunziantin beschuldigt, sogar einige Kunden/innen blieben fern.

Als Monate später immer noch der 'Homesalon' florierte, erkundigte sie sich nochmals bei der Gewerbeaufsicht, fand ihren ehemaligen Ansprechpartner aber nicht mehr vor. Der leite jetzt eine Spezialgruppe zum Kampf gegen die Schwarzarbeit, hieß es. Inzwischen sind über 2 Jahre vergangen, geändert hat sich nichts!

Von ähnlichen Erfahrungen berichtet Friseur Konrad (*) der einen Salon im Düsseldorfer Stadtzentrum betreibt. Eine seiner besten und umsatzstärksten Mitarbeiterinnen, nämlich Petra (*) habe Mutterschaftsurlaub, berichtet er und hofft darauf, das sie möglichst bald wieder in seinem Salon arbeiten kann. 'Danach sieht es aber derzeit gar nicht aus' meint er und berichtet das sich Petra zwei bis drei mal pro Woche in der Nachbarschaft aufhält. 'Sie besucht hier ihre ehemaligen Stammkundinnen und macht ihnen privat die Haare! Zweimal im letzten Jahr hat Petra Urlaub gemacht, - und prompt kamen auch wieder einige der Wochenkundinnen zu uns, die auch ganz offen darüber geredet haben.'

Sogar andere Saloninhaber haben sich an Konrad gewandt, mit der Bitte, etwas zu unternehmen, weil Petra ihren Kundenkreis erweitert hat. Konrad hat Petra zur Rede gestellt, was aber keinen Erfolg zeigte.

'Petra bekommt ein geringes Erziehungsgeld, der Partner verdient knapp 3000 Euro brutto im Monat. Aber eine große Wohnung, Schrebergarten, 2 mal Urlaub im Jahr und zwei Autos...! Das kann ich mir selbst als Unternehmer nicht leisten!' schimpft Konrad und erzählt, das sein Salon regelmäßig Werbe-Post eines ansässigen Großhandels bekommt, zu Händen von Frau Petra, die dort ein Einkaufskonto eröffnet hat.

Ja, an die Innung habe er sich gewandt, bestätigt er. Und auch die zuerst erfolgende Nachfrage zu der Innungsmitgliedschaft. 'Betrifft es denn nicht alle Friseure, egal ob Innungsmitglied oder nicht?' fragt er entrüstet. 'Unternehmen wollte die Innung nichts, schließlich konnte ich keine handfesten Beweise vorlegen. Mündliche Aussagen von Kunden und Kollegen zählen hier wohl nicht' schimpft Konrad. 'Ich könne Petra ja offiziell anzeigen wurde mir geraten, aber ich möchte sie ja irgendwann wieder bei mir im Betrieb haben und nicht beim Mitbewerber um die Ecke, weil ich es mit ihr verdorben habe!'

Mit der Innung ist er letztendlich so verblieben, dass Petra, mit dem Hinweis auf anonym eingegangene Hinweise betreffs Schwarzarbeit, offiziell angemahnt und zur Unterlassung aufgefordert werden sollte. Ob dies wirklich geschehen ist, entzieht sich seiner Kenntnis.

Nur eines weiß er: Petra ist nach wie vor sehr fleißig in seinem Umfeld tätig! Da er mittels der Kundenkartei nachvollziehen kann welche Kunden/innen von Petra zu Hause besucht werden, beziffert er ihren Monatsumsatz auf ca. 2000,- Euro, zu Salonpreisen natürlich!

Fast unglaublich aber wahr: Wird das Thema Schwarzarbeit in privaten Kreisen vorsichtig angesprochen, kommen die unglaublichsten Geschichten zu Tage. Vom Friseurmeister G. der wegen der Mieterhöhung seinen Salon verkaufte und die Kunden jetzt im umgebauten Gartenhäuschen bedient. Immer wieder ist die Rede von Salons die in die Wohnung integriert sind oder (ehemaligen und aktiven) Mitarbeitern die in die Wohnungen kommen.

Jede Kundin, die nicht im Salon bedient wird, bedeutet verlorenen Umsatz der auch nötig ist, um Mitarbeiter vernünftig zu entlohnen. Das fatale: auch hier gibt es zufriedene Kundinnen, die gerne eine Weiterempfehlung aussprechen...

(*) Namen geändert

Quelle: Quelle Rene Krombholz für DFH

22.05.2012 - 21:33:49

Letzte Aktualisierung: 22.05.2012
ISSN - 2190-9873