
Die Friseure und das WIN Prinzip.
Wenn Kunde, Mitarbeiter und Unternehmer einen für jeden der Beteiligten zufriedenstellenden Konsens erzielen greift das WIN Prinzip, es gewinnen alle.
Gibt es so etwas überhaupt? Wenn ja, es wäre eine Patentlösung zum reich werden. Ganz so einfach ist es also nicht. Aber es gibt Grundregeln im Markt, Konstellationen, die stimmen müssen um erfolgreich zu sein oder zu werden. Stimmen diese nicht, droht Kunden und Umsatzverlust. Wie derzeit in der Friseurbranche.
Im Marketing gibt es das Win-Win-Win Prinzip, bestehend aus Kunde / Käufer, Mitarbeiter / Verkäufer und Betrieb / Unternehmer. Ein Geschäft funktioniert erst, wenn diese drei Beteiligten ihre Interessen und Bedürfnisse befriedigt bekommen, zum GeWINner werden.
Nicht immer einfach, die Interessen sind teilweise konträr. Der Geschäftsinhaber möchte Geld einnehmen und verdienen, der Kunde will sparen.
Die Verbraucherumfrage des Industrieverbandes brachte es ans Tageslicht. In der Friseurbranche läuft nicht alles nach dem Win Prinzip. Hier gibt es Unstimmigkeiten zwischen den, am Geschäftserfolg beteiligten Parteien. Sind es nur die wenigen Punkte , die momentan im Blickpunkt der Kritik stehen, oder steckt mehr dahinter?
Ein Blick auf die verschiedenen Ziele und Interessen von Chef, Mitarbeiter und Kunden ist lohnenswert.
Das Ziel eines jeden Unternehmens ist es, Gewinne zu erwirtschaften. Das ist das Hauptanliegen sein Hauptanliegen.. Der Rubel muss rollen, es müssen genügend Kunden/innen in die Salons kommen, um Einnahmen in ausreichender Höhe zu erwirtschaften. Hiervon müssen dann sämtliche Kosten für Ware, Raum und Personal bestritten werden. Desweiteren stehen Abgaben für den Fiskus an, Rücklagen müssen gebildet werden. Letztendlich bleibt ein Teil der Einnahme übrig, der dem Chef und seiner Familie als Lebensunterhalt dienen muss. Über die Höhe des Gewinnes gibt es viele Spekulationen, selber kenne ich Mitarbeiter (auch Kunden/innen) die behaupten: Ein wenig Miete, Wasser und etwas Haarspray, da müssen ja von dem 50,-Euro teureren Haarschnitt 45,- Euro als Gewinn übrigbleiben. Dem ist nicht so, die Kosten sind in den letzten Jahren stetig gestiegen und nicht jeder Salon ist in der Situation, immer die Preise angleichen zu können. Zudem sind die Umsätze der Friseurbranche in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken. ( zumindest bei den meisten Friseuren ) Dies führt zu der Tatsache, dass viele Saloninhaber keine Rücklagen für Investitionen mehr haben, teilweise auch Einbußen in der privaten Lebenshaltung hinnehmen müssen.
Ganz so arm, wie es die Zahlen und Statistiken oftmals darstellen, scheint die Situation der Betriebsinhaber allerdings nicht zu sein, schaut man sich die private Lebensführung einmal genauer an. Bevor man allerdings hier Einbußen in Kauf nimmt, wird eher an den Personalkosten gespart.
Eine finanziell angespannte Situation hat natürlich auch weitere Auswirkungen. Für den Chef steht evtl. die Existenz des Betriebes auf dem Spiel. Es drohen weitere Einbußen. Das in dieser Situation nicht immer die beste Laune zu erwarten ist, dürfte verständlich sein. Oftmals werden auch die unmotivierten Mitarbeiter für die Misere verantwortlich gemacht, die führt zu weiteren Spannungen die sich auch schnell auf die Salonatmosphäre übertragen.
Mitarbeiter haben Ihre eigenen Ziele und Ambitionen. Natürlich wollen auch sie Geld verdienen. Möglichst viel sogar. Geld, welches der Chef nicht immer ausreichend zur Verfügung hat, oder nicht bereit ist, auszugeben. Klar ist auch, als Lohn ausbezahlt werden kann nur ein Teil dessen ,was vorher erwirtschaftet worden ist. Da Mitarbeiter vielfach eine ganz andere Vorstellung von der Gewinnsituation eines Betriebes haben ,kann es ratsam sein ,hier ein wenig Transparenz zu schaffen. Wenn Mitarbeitern eine schlechtere wirtschaftliche Ausgangslage bewusst ist, sind sie fast immer bereit, sich auch für eine Verbesserung einzusetzen. Die Karre gemeinsam aus dem Dreck zu ziehen, ist erfolgreicher, als die Mitarbeiter für die Umsatzeinbußen alleine verantwortlich zu machen, dies demotiviert. Gerade Motivation ist Mitarbeitern aber wichtig. Spaß an der Arbeit steht in der Wunschliste der Arbeitnehmer ganz oben. Wobei Spaß nicht als Jux verstanden werden darf, sondern die Freude am sinnvollen schaffen. Eigene Ideen zu verwirklichen, selber Verantwortung tragen, kreativ zu sein, Erfolg zu haben, - das wollen moderne Friseure/innen heutzutage. Zu oft werden sie hier gehindert, nicht jeder Arbeitgeber hat das Vertrauen seinen Angestellten Verantwortung zu übertragen, wenn die Geschäftssituation unklar erscheint, eher ist man geneigt ,hier die Zügel straffer zu führen.
Auf der anderen Seite fehlt vielen Friseurinnen die Motivation sich für ihren Betrieb einzusetzen. Zu oft stehen Lob und Kritik nicht im richtigen Verhältnis zueinander, eine Friseurmeisterin verdient Anno 2000 tariflich 2900,- Euro , weniger als ein ungelernter Straßenkehrer am ersten Tag seiner Tätigkeit der 3.123 Euro plus Zulagen bekommt. Da hilft auch der Hinweis auf das Trinkgeld recht wenig. Urlaubsgeld ist unbekannt, das Weihnachtsgeld wurde eingeführt, sofort wieder gekürzt.
Kundenwünsche werden regelmäßig erfragt. Gerade erst durch die Verbraucherumfrage des IVF. Was hier veröffentlicht wurde ist Fakt, andere Dinge spielen eine ebenso wichtige Rolle.
Die Tatsache das 59% der Kundinnen nicht Ihre Wunschfrisur erhalten, das 76% intensiver beraten werden möchten, ist auch Folge mangelnder Weiterbildung, zu der vielen Betrieben das Geld und den Mitarbeitern die Lust fehlt.
Für eine Leistung bezahlen, mit der man nicht 100%ig zufrieden ist, das wird immer als zu teuer empfunden. Ob die Kritik an den Friseurpreisen wirklich nur eine Sache der Transparenz ist ,darf man bezweifeln. Schaut man sich das veränderte Verbraucherverhalten an, wird manch anderes offensichtlich.
Stellten in den vergangenen Jahren die Senioren einen großen Teil der Stammkundschaft, sie werden naturbedingt weniger. Es war eine Generation die vor dem 2ten Weltkrieg geboren, an Disziplin, Fleiß, Gehorsam und Autorität glaubte. Durch eigene Lebenserfahrung sparsam, schnell zufrieden und oft nicht gewohnt, eigene Wünsche durchzusetzen. Die ideale Kundin für die 'so wie immer?' Behandlung.
Die Generationen danach, es fängt bei den 50 Jährigen an, haben gelernt sich durchzusetzen, eigene Wünsche in den Vordergrund zu stellen, Leistungen zu hinterfragen.
Der Lebensstandard hat sich geändert. Geschah für die älteren Menschen früher vieles aus reiner Zweckmäßigkeit, verlangen die Generationen der Erlebnisgesellschaft weit mehr. Ambiente, Erleben und Wohlfühlen stehen im Vordergrund.
Dem sind nur wenige Friseure gerecht geworden. Vergilbte Gardinen, selbstbekritzelte Preistafeln und Angebote oder tote Fliegen im Schaufenster verleiten potentielle Kunden eher zum weitergehen, als zum Salonbesuch. Hier fehlt es an Image und zeitgemäßem Angebot.
Es ist fast unglaublich, trotzdem wahr: Eine Konsumentengruppe wird derzeit von der Werbung besonders heftig umworben. Es ist die Gruppe der 14 bis 20 jährigen. Diese Generation ist sehr früh mündig, gewohnt bereits in jungen Jahren selber zu bestimmen welche Kleidung, welche Marke aktuell ist. Über neue Moden und Trends wissen die Kinder und Jugendlichen heute bestens Bescheid.
Und sind bereit, hierfür viel Geld auszugeben. Dies steht ausreichend zur Verfügung,
Geld ausgeben ist für die Kid’s 'trendy', von der Werbung sind sie stark umworben. Kein Wunder, ist diese Gruppe unserer Bevölkerung zugleich eine kaufkräftige: die hohe Kaufkraft welche hinter den Jugendlichen steht, verdeutlicht eine Untersuchung des Münchner Instituts für Jugendforschung ( IJF ) wonach die 15 Millionen fünf bis 20jährigen über eine Kaufkraft von rund 30 Milliarden Euro verfügen. Aber: welcher Friseursalon bietet dieser Zielgruppe ein interessantes Angebot ???
Es ist nicht zu übersehen, der größte Teil der Friseurbranche hat versäumt, die Entwicklung der Kunden/innen mitzugehen. Das Angebot ist das gleiche wie vor 10 oder noch mehr Jahren. Was sich geändert hat ist der Preis. Dies ist den Verbrauchern von heute zu wenig, - mit Recht. Folglich wird der Friseur als zu teuer empfunden, die Bereitschaft, für den Friseurbesuch gerne Geld auszugeben sinkt. Genau dies wird auch ersichtlich in Studien wie Outfit 4 (Spiegel) Hier rangiert auf die Frage 'wofür geben Sie gerne Geld aus' der Friseur steht bei den Männer auf unterster Rangfolge. Lieber kaufen unsere Kunden Socken und Unterwäsche, als es für den Friseurbesuch auszugeben. Dies hat viel mit Angebot und Image zu tun. Quelle: Spiegel Documentation Outfit4 Grafik Krombholz
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