Irrtum Preisentwicklung

Alles zu teuer oder was?

Rabatte von 70% oder 80%, immer günstiger – immer besser – immer mehr, fast umsonst oder fast geschenkt, Deutschland scheint ein Paradies für Kunden. Käufer und Verbraucher geworden zu sein. Wir alle wissen: die allein glücklich machende Lösung ist es wohl auch nicht, sonst hätten bundesdeutsche Märkte nicht mit solchen Umsatzproblemen zu kämpfen wie wir sie derzeit kennen.

Es scheint paradox: Discounter mit Dumpingpreisen stöhnen, während halb Deutschland im Flieger sitzt sobald ein oder zwei Feiertage angesagt sind; der Friseur wird als zu teuer empfunden der Pappbecher Kaffee für 2,80 €uro bei Starcoffee dagegen ist In, alle Welt stöhnt: 'Wir haben kein Geld mehr..!' und das Sparvermögen in der Bundesrepublik erreicht immer neue Rekordhöhen.

Die Erklärung hierfür ist relativ einfach, wagt man den Blick zurück wird deutlich wo den bundesdeutschen Verbrauchern der Schuh drückt:

Viele erinnern sich, wieder Andere kennen sie nur aus Erzählungen: die vermeintlich goldenen Jahre der Wirtschaftswunderzeit. Beim Blick zurück wird manches fraglich: die tarifliche Arbeitszeit jener Zeit lag zwischen 42 und 48, Fleisch gab es pro Woche nur 1 bis 2 mal, der durchschnittliche Urlaubsanspruch betrug gerade mal 19 Tage und wurde meist in Balkonien oder heimischen Gefilden verbracht. Das war preiswert und brachte Ersparnisse, ebenso der Verzicht auf Handy, Fernreisen, Wellness oder gastronomische Vielfalt und Freizeit-Events. Dinge die man zu jener Zeit ebenso wenig kannte wie den selbstverständlichen Besitz einen Autos oder Fernsehers.

Für ein TV Gerät (s/w) musste der Bundesbürger 1960 durchschnittlich 352 Stunden arbeiten während man sich 2005 ein solches Gerät bereits nach 39 Stunden Tätigkeit leisten kann. Während heute eine solche Anschaffung selbstverständlich geworden ist war das Gleiche Ereignis noch Anfang der 60er Jahre Anlass für ein Familienfest.

Auch wenn wir noch so sehr stöhnen wie teuer alles geworden ist, vieles täuscht und ist definitiv falsch..

So lange musste man in den jeweiligen Jahren arbeiten um sich folgende Produkte kaufen zu können:



Selbst die Rekord – Spritpreise in jüngster Vergangenheit sind für die Menschen Anfang dieses Jahrtausends erschwinglicher als noch vor XX Jahren. Das alle Dinge teuerer werden mag richtig sein. Das wir uns nichts mehr leisten können ist eine subjektive Meinung die ihre Ursache woanders hat.

Vieles was für uns heute selbstverständlich ist war in den 60er Jahren Luxus. Zu den Dingen die man sich regelmäßig und gerne leistete gehörte ein regelmäßiger Friseurbesuch. Damals ging die Kundin meist wöchentlich zum Friseur, heute alle 7 Wochen.

Kaum zu glauben aber wahr: Im Jahr 1966 betrug die tarifliche Arbeitszeit im Friseurhandwerk wie auch in vielen anderen Berufen 48 Stunden pro Woche. Im Laufe der Jahre änderte sich einiges. Aus der emsigen Arbeitsgesellschaft der Deutschen wurde die Freizeitgesellschaft, die Gewerkschaften setzten eine deutlich kürzere Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich durch. Nun hatten die Menschen in unserem Land plötzlich wesentlich mehr Freizeit bei gleichem Einkommen und nutzten diese Möglichkeiten.

Es entstand die Erlebnis und Spaßgesellschaft mit Discos, vielseitiger Gastronomie, Kinocentren. Fernreisen boomten und boomen, in der Woche jeden Tag Fleisch ist ebenso Normalität wie tagtäglich volle Restaurants allerorten. Der Wohlstand in Deutschland wuchs kontinuierlich Jahr für Jahr. Auf Dinge verzichten brauchte kaum noch jemand, besonders zu spüren bekamen dies die jüngeren Generationen. Nach dem Motto: 'Unsere Kinder sollen es besser haben' wurde beruflicher Mehreinsatz der Eltern zumeist materiell ausgeglichen.

Gestiegen sind in dieser Zeit die Ansprüche die wir an den täglichen Bedarf und unseren Konsum stellen.

Die Pro Kopf Ausgaben für Konsum ( ohne Lebenshaltungskosten wie Nahrung, Energie, Wohnung, PKW) sind im vorgenannten Zeitraum drastisch gestiegen. Lagen sie Anfang der 60er Jahre noch bei 140 Mrd. Euro waren es im Jahr 2009 bereits 1.244 Mrd. Euro, das Zehnfache also., - obwohl die Konsumgüter billiger geworden sind.

Heute wo die Wirtschaft nicht mehr boomt, herrschen vielfach Angst und Unsicherheit vor und behindern die Konsumbereitschaft. (Angstsparen) Es gibt kaum noch Lohnerhöhungen, Zulagen werden oftmals gestrichen, Einkommen stagnieren.

Wir können uns nicht mehr so viel leisten, das Geld wird knapper, und Preise als verteuert empfunden. Auch wenn es nicht so ist…
22.05.2012 - 21:16:36

Letzte Aktualisierung: 22.05.2012
ISSN - 2190-9873