
Freizeit ist nicht nur zur Erholung wichtig, Freizeit hat heute auch einen ungleich höheren Stellenwert wie in früheren Jahren, ist für Mitarbeiter von großer Bedeutung geworden.
Dem entgegen steht die Tatsache das ständige Fort und Weiterbildung für den Friseurberuf von existenzieller Bedeutung sind. Der Friseurberuf ist ein beratender Beruf. Zumindest wenn er erfolgreich sein soll. Dies erfordert Schulungen, Seminare, regelmäßiges Training.
Dies ist während des normalen Tagesgeschäftes kaum möglich, wird deshalb in die Abendstunden oder auf?s Wochenende verlagert. Zählt damit nicht zur Arbeitszeit und wird von den Arbeitgebern in der Regel auch nicht in Freizeit oder Geld abgegolten. Im Tarifvertrag findet sich keine Regelung hierfür. Dabei ist der erbrachte Zeitaufwand erheblich.
In einem bekannten Düsseldorfer Salon sah dies in einem Monat folgendermaßen aus:

Hier kommt einiges an Stunden zusammen was an Freizeit verloren geht.
In diesem wahren Beispiel sind es rund 25 Stunden pro Mitarbeiter zusätzlich zur normalen Arbeitszeit. (das entspricht rund 3 vollen Arbeitstagen zusätzlich.)
Unbestritten die Tatsache das Fortbildung und Training notwendig sind, allerdings, wenn noch die Zeit für die Heimfahrt hinzu kommt, leidet der Anspruch an die Freizeit ganz gewaltig.
Demotivierend in diesem Beispiel war noch die Tatsache mangelnder Kommunikation zwischen Chef und Mitarbeitern. Hierdurch war keinerlei Interesse an den Trainingsabenden vorhanden, es erfolgte auch keinerlei Ausgleich in Freizeit oder Geld.
Folge: Demotivation bei vielen Mitarbeitern

Das nicht wenige dieser Branche durch Zeitmangel wirklich krank sind, belegt eine Diplomarbeit von Frau Susanne Höltzl, die das Eßverhalten im Friseurhandwerk studierte.
Pausen? Mittagessen ? Für den Großteil der Friseure ein Fremdwort.
Dies beschreibt Frau Höltzl in ihrer Diplomarbeit für die IKK dem eine Befragung von 125 Düsseldorfer Friseurinnen vorausging.
Der überwiegende Teil der Befragten gab an unregelmäßig oder nebenbei zu essen. Lediglich 30% der Gefragten gaben an ihre Malzeit in Ruhe einnehmen zu können.
Tribut fordert auch das heutige Kundenverhalten. Lange Anmeldezeiten sind out, Spontankunden sind in. Nach Dienstschluß kurz zum Friseur, Stoßzeit zum Feierabend. Der Umsatz ist wichtig, die Kundin auf Morgen zu vertrösten zwecklos. Sie möchte heute ihre Frisur, bei Ihnen oder beim Kollegen.
Für die Betriebe gilt es, auch in den Abendstunden dienstleistungsbereit zu sein. Dies ist wichtig und richtig, kostet den Mitarbeitern aber Freizeit.
Tarifvertrag, Freizeit , Urlaubszeit. Auch hier ist es für die Mitarbeiter dieser Branche eher schlecht bestellt. Einen 6 wöchigen Urlaub kennt man nur aus anderen Berufszweigen, der Urlaubsanspruch der Friseure orientiert sich eher an der gesetzlichen Mindestgrenze. Urlaubsblöcke zwischen den Feiertagen, mit welchen man seinen Urlaub einige Tage verlängern kann sind in der Praxis kaum realisierbar.
Arbeitszeitkonten:
Leerlaufzeiten im Salon, wo gibt es sie nicht. Für den Arbeitgeber bedeuten sie unproduktive Lohnkosten, für die Mitarbeiter Langeweile, putzen aus Verzweiflung, Frust.
Für den Unternehmer gilt es Kosten zu sparen, die Angestellten könnten diese Zeit wohl auch effektiver nützen.
Hier ist flexibler Umgang mit der Arbeitszeit erforderlich, dies wird jetzt durch den neuen Manteltarifvertrag ermöglicht.
Ist im Salon wieder einmal Leere angesagt, kann der Mitarbeiter ( nach Absprache) frei nehmen. Diese gewährte Freizeit wird auf dem Arbeitszeitkonto als minus verbucht. Überstunden und Mehrarbeit wiederum werden als Guthaben gebucht. In Stoßzeiten steht dem Arbeitgeber somit mehr Arbeitskraft zur Verfügung.
Ein Modell mit Vorteilen für beide Seiten, genaueres ist dem Manteltarifvertrag Nr 4 zu entnehmen.
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22.05.2012 - 21:13:12 Letzte Aktualisierung: 22.05.2012
ISSN - 2190-9873
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