Leuchtende Augen!

Mit welchen Mitteln finde ich die richtigen Mitarbeiter? Warum ist Mitarbeiter-Marketing genauso wichtig wie Kundenmarketing? Und wie führe ich das Vorstellungsgespräch richtig? Antworten von Harald Müller.

Mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Friseur-Branche beweisen uns: Die meist unterschätzte Aufgabe für den Friseur- Unternehmer ist die Führung der Mitarbeiter! Dies drückt sich sowohl im zeitlichen als auch im finanziellen Aufwand der Unternehmer im Vergleich zu seinen sonstigen Tätigkeiten und Aufgaben aus.


Unternehmensberater Harald Müller über verpasste Chancen: 99 Prozent aller Unternehmen bewerben nur die Kunden.

Beispiel gefällig?

Wie viel Geld bringt das Unternehmen für die Bewerbung der Kunden in Vergleich für die Bewerbung der richtigen Mitarbeiter auf? Die meisten Unternehmen suchen nur anlässlich der Kündigung eines bestehenden Angestellten nach einem neuen Mitarbeiter und kommen dann schon ins Schwitzen, wenn sie an die Kosten für Mitarbeiter-Anzeigen denken. Oder betrachten Sie die Internet-Seiten – falls überhaupt vorhanden – der Friseur- Unternehmen! Hier wird zu 99 Prozent der Kunde beworben. Die Unternehmer haben noch nicht realisiert, dass diese Plattform die beste und meist auch einzige permanent werbende Ebene ist, um das Unternehmen für potenzielle Mitarbeiter schmackhaft zu machen. Grund genug, dass man sich (natürlich auch schon vor der Existenzgründung) Gedanken zur zukünftigen Mitarbeiter-Führung und zum effizienten Mitarbeiter-Marketing macht, um (von Beginn an) die Weichen für eine erfolgreich Unternehmensentwicklung zu stellen.

Mitarbeiter-Marketing

Was bedeutet Mitarbeiter-Marketing? Die Frage ist ganz einfach beantwortet:

Wie man mit dem Kunden-Marketing Kunden für den Salon gewinnen und sie möglichst lange auch im Unternehmen behalten will, so gilt dies auch für die Bewerbung der Mitarbeiter. Es drängen immer weniger Schulabgänger als potenzielle Auszubildende auf den Markt. Die Friseur-Unternehmer buhlen dadurch nicht nur mit anderen Friseur-Unternehmen, sondern auch mit Unternehmen aus anderen Branchen um die Nachwuchskräfte. Aus diesem Grund ist es mehr als gewinnbringend, sich schon frühzeitig als potenzieller Arbeitgeber für überdurchschnittliche Mitarbeiter darzustellen. Wie gelingt es mir also, von Beginn an die gewünschten Friseure für das Unternehmen zu gewinnen? Am Anfang steht hier die Darstellungdes Unternehmens nach außen und eine intensive Kontaktpflege sowohl zu den entscheidenden Stellen, die über die Bewerbungen der potenziellen Kandidaten entscheiden, als auch zu den potenziellen Kandidaten selbst.

Als erstes natürlich zu den entscheidenden Stellen in der Bundesagentur für Arbeit. Hier lohnt sich eine persönliche Vorstellung mit einer Broschüre für Mitarbeiter (Inhalte siehe neben stehender Kasten), die die eigenen Anforderungen eindeutig darstellt. Dies erleichtert es dem Beamten in der Agentur für Arbeit, vorab schon eine gezielte Vorauswahl zu treffen, welche Bewerber er für unser Unternehmen auswählt und empfiehlt. Natürlich ist es dabei ganz wichtig, dass das Unternehmen auch auf den Internetseiten des Amtes attraktiv dargestellt ist. Es lohnt sich auch zu prüfen, welche Internet-Plattformen ansonsten genutzt werden sollen. Hier gibt es noch weitere professionelle Seiten, über die interessante Kandidaten gesucht werden können(zum Beispiel Friseurjobagent, meine Stadt, etc.).

Mitarbeiter-Broschüre

Viele Unternehmen erstellen Broschüren für die Kunden, mit denen sie ihre Philosophie, das Konzept und neue Modetrends darstellen. Doch warum gibt es keine Broschüren für potenzielle Mitarbeiter?

Die richtigen Mitarbeiter zu finden ist doch noch viel wichtiger als die richtigen Kunden zu finden. Wenn man die Aussagen von vielen Unternehmen bei ihrer Mitarbeitersuche verfolgt, dann beschränkt sich dies oft auf eine Mitarbeiter- Anzeige in den Printmedien und den Internet-Plattformen. Dabei interessiert einen potenziellen Mitarbeiter doch viel mehr, als nur die alleinige Aussage: Mitarbeiter gesucht!

Die Broschüre kann zu vielen Anlässen eingesetzt werden. Zum einen für die direkten Bewerber, zum anderen aber auch als Wissensbasis für die Kooperationspartner bei den Arbeitsvermittlern. Sie kann aber auch genauso an Berufs- und Meisterschulen für mögliche Interessenten eingesetzt werden. Vor allem dann, wenn diese Broschüre als Musterbeispiel gilt, was Friseur-Unternehmen von potenziellen Interessenten erwarten und welche Möglichkeiten dieser Beruf bietet. Nutzen Sie vor allem auch das Schaufenster Ihres Ladenlokals zur Mitarbeiter- Suche. Das Schaufenster ist das einzige Medium, welches 24 Stunden pro Tag von potenziellen Bewerbern wahrgenommen werden kann. Gerade in der Existenzgründungsphase sollte das Schaufenster, sobald dieses zur Verfügung steht, sofort genutzt werden.


Die Mitarbeiterbroschüre:

1. Welche Ansprüche stellt das Unternehmen an seine Angestellten?

2. Philosophie des Unternehmens bei der Mitarbeiterführung.

3. Welche Karrierechancen bietet das Unternehmen?

4. Welche Weiterbildungsmöglichkeiten sind geboten?

5. Welche Verdienstmöglichkeiten werden dem potenziellen Mitarbeiter in Aussicht gestellt?

6. Karriere- und Verdienstchancen an praktischen Beispielen aufgezeigt.

7. Welche Mitgestaltungsmöglichkeiten sind dem Mitarbeiter geboten?

8. Welche Aktivitäten (Feiern, Veranstaltungen, etc.) gibt es begleitend zum Berufs-Alltag?

9. Warum sollte der Mitarbeiter unbedingt in diesem Unternehmen arbeiten?

10. Referenzen der bisherigen Mitarbeiter (sofern vorhanden: Warum arbeite ich in diesem Salon?



Welches Lohnsystem?

Wichtig ist es, schon vor dem Existenzstart ein motivierendes und effizientes Lohnsystem zu konzipieren, welches auch dies Basis eines späteren Karrieresystems sein wird. Unserer Erfahrung nach ist es problematisch, Mitarbeiter mit einem relativ hohen Grundlohn für das Unternehmen zu gewinnen. Wenn ein Mitarbeiter gleich zu Beginn das erhält, was er sich letztendlich wünscht, wird er nie das Gefühl bekommen, sich diesen Lohn selbst erarbeitet zu haben, was nach unserer Erfahrung in vielen Fällen zu weit weniger Motivation führt, als dies gewünscht wird. Viel effizienter ist ein System, welches dem Mitarbeiter überdurchschnittliche Verdienstmöglichkeiten bietet, er sich aber diese Lohnmöglichkeit selbst erarbeiten muss und damit ein tolles Erfolgserlebnis erfahren kann. Wir werden hier häufig nach dem richtigen Faktor für den Mindest-Umsatz gefragt. Es gibt aber keinen pauschalen Faktor, der für
alle Unternehmen in gleicher Form gilt.

Der Faktor hängt von vielen Variablen ab: Welche Preisstruktur, welche Umsatzmöglichkeiten, wird Assistenz eingesetzt, wird mit einer Rezeption gearbeitet, und, und, und. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich ein derartiges Lohnsystem von Experten konzipieren zu lassen, welches die Mitarbeiter motiviert. Somit kann sich von Beginn an das Unternehmen einen entsprechenden Gewinnaufbau ermöglichen. Ein Karrieresystem schafft Perspektiven. Neben einem motivierenden Lohnsystem ist es auch wichtig, ein Karrieresystem zu entwickeln, welches unterschiedlich ausgerichteten Mitarbeiter auch Entwicklungschancen und Perspektiven bietet. So hat der eine Mitarbeiter das Ziel, ein überdurchschnittlich erfolgreicher Stylist zu werden, der andere möchte aber auch später Verantwortung übernehmen. Je mehr Leistungsstufen, wie Jungstylist, Stylist, Top-Stylist, Master, Trainer, Teamleader, etc. eingebaut sind, gibt es auch für die Mitarbeiter Zwischenziele, an denen sie sich stets ausrichten können und eigene Erfolge feiern können. Solche Leistungsstufen sind natürlich von der Mitarbeiteranzahl beziehungsweise Salongröße abhängig.

Leider stellen wir bei der Auswertung der Mitarbeiter-Befragungen in den
Friseur-Unternehmen fest, dass mehr als 75 Prozent der befragten Mitarbeiter beklagen, dass sie keine Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb des Salons sehen.

Wodurch solch sich ein engagierter Mitarbeiter mittelfristig motivieren?

Wir haben mit dem Einsatz von ausgefeilten Karriereleitern in allen Fällen sehr positive Erfahrungen. Die Entwicklung eines motivierenden Karrieresystems ist stets eines der Fundamente unserer täglichen Arbeit in der Praxis, damit motivierte und engagierte Mitarbeiter die Chance erkennen, ihre Ziele im Unternehmen zu verwirklichen. Wer selbst nicht ausbildet, der darf sich nicht beschweren, dass zu wenig qualifizierte Fachkräfte auf dem Mitarbeitermarkt vorhanden sind. Mit einer eigenen Ausbildungstätigkeit schafft sich ein Unternehmen ein Fundament für den späteren Mitarbeiterstamm und auch eine relative Unabhängigkeit bei der zukünftigen Mitarbeitersuche.

Einstellung von Mitarbeitern

Nach der Definition der Ziele für das Unternehmen stellt sich die Frage:
- Welche Mitarbeiter benötige ich hierfür?
- Welche Mitarbeiter passen in mein Konzept und zu unserer Philosophie?
- Wie gehen Sie eigentlich bei der Einstellung von Mitarbeitern vor?

Nach unserer Erfahrung wird sich leider viel zu wenig Zeit für den wichtigsten Führungsabschnitt überhaupt genommen. Werden hier Fehler gemacht, kommt dies den Unternehmen meist teuer zu stehen. Eine falsche Einstellung kostet nicht nur viel Geld, sondern auch viele verlorene oder ausgebliebene Kunden, viel Nerven und sorgt dafür, dass ihr Unternehmen im günstigsten Fall für einige Zeit stillsteht, bzw. sich nicht weiterentwickelt.

Vorstellungsgespräch

Aus unserer Erfahrung sind die wesentlichsten Kriterien, die für den 'richtigen' Mitarbeiter sprechen, eine hohe Engagementbereitschaft und Talent für diesen Beruf, sowohl im handwerklichen als auch im kommunikativen Bereich. Zudem wäre es sehr hilfreich zu erfahren, ob der Bewerber auch tatsächlich ein 'Macher' ist. Was die letztendlich entscheidende Frage, ob er auch in das Unternehmen passt, sprich, ob er die Philosophie des Unternehmens leben kann.

Doch: Wie kann man dies in einem Vorstellungsgespräch ermitteln?

Zu Beginn sind Fragen nach den Hobbys nicht nur aufgrund eines recht lockeren Einstieges mehr als dienlich. Schon bei der Beantwortung dieser Fragen erfährt man schon maßgebliche Punkte für die spätere Entscheidung. Bekommt der Bewerber in seiner Freizeit 'den Hintern hoch'? Bewegt er was? Viele schrecken ab, wenn Sie von einem Bewerber mitbekommen, dass er viele Hobbys hat. Sie haben vielmehr die Meinung, der Bewerber nähme sich zu wenig Zeit für die neue Stelle. Wir haben dabei ganz andere Erfahrungen. Diejenigen, die sich in ihrer Freizeit engagieren, zeigen Interesse für die Sache und damit Engagement. Noch besser ist es dann, wenn Sie diesen Bewerber gezielt nach einem der Hobbys fragen: Beim Beantworten der Frage achten sie genau auf die Ausstrahlung des Bewerbers? Leuchten die Augen? Kommt er ins Schwärmen? Kann er Sie begeistern? Wie drückt er sich aus?

Nun wissen schon sehr viel über die kommunikativen Fähigkeiten und vor allem über die Begeisterungsfähigkeit des Kandidaten. Beide Kompetenzen sind für den Einsatz in der Friseurbranche mehr als wichtig.

Quelle: SPC

22.05.2012 - 20:57:02

Letzte Aktualisierung: 22.05.2012
ISSN - 2190-9873


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