
WEISSENFELS/MZ.Wenn sie am Ende des Monats die Löhne ihrer Mitarbeiterinnen berechnet, kommt Heidrun Reinhardt oft ins Grübeln.
Manchmal folgt eine schlaflose Nacht. Wie nur, fragt sie sich dann, könnte man noch mehr Kundschaft gewinnen? 'Es ist hart für mich als Chefin, wenn ich darüber nachdenke, dass manche meiner Mitarbeiterinnen zusätzlich zum Amt gehen müssen', sagt die Friseurmeisterin, die in Weißenfels zwei Salons mit insgesamt zwölf Angestellten führt. Einen aktuellen Tarifvertrag gibt es für das Friseurhandwerk in Sachsen-Anhalt nicht. 'Ich würde meinen Leuten gern mehr zahlen', sagt Reinhardt - und man merkt ihr an, dass sie dieses Thema bewegt. Doch das erlaube der Umsatz einfach nicht: 'Würde ich die Löhne erhöhen, müsste ich entweder auch die Preise anheben oder ein, zwei Mitarbeiterinnen entlassen.' Das möchte sie natürlich nicht. Die Löhne machen fast die Hälfte der Gesamtkosten aus, erzählt sie.
Wie viele Friseure, bezahlt Heidrun Reinhardt ihre Angestellten nach einem Umsatz-Lohn-System. Jede bekommt einen Grundlohn. Der beträgt rund 5,50 Euro brutto pro Stunde. Und bei manchem bleibt es dabei. Doch wer einen gewissen Umsatz erwirtschaftet, wird daran mit 25 bis 30 Prozent beteiligt und bekommt eine entsprechende Leistungszulage.
Für die 'alten Hasen', die schon einige Betriebsjahre hinter sich und einen festen Kundenstamm haben, seien damit sieben, acht Euro Stundenlohn machbar, erzählt die 49-Jährige. Und so ist es gut möglich, dass eine besser ausgelastete Friseurin mit 400 Euro mehr nach Hause geht, als ihre Kollegin, die zwar ebenso lange im Salon war - aber weniger Kunden bedient hat. Erreicht eine Mitarbeiterin nur eine geringe oder gar keine Zulage, dann spreche sie jedes Mal mit ihr, wie es dazu kam. 'Manchmal ist es jedoch auch für mich selbst schwer, immer wieder Motivationsarbeit zu leisten.'
Früher, erzählt Heidrun Reinhardt, die seit 1992 Meisterin ist, seien die Friseure auch nicht unbedingt finanziell besser gestellt gewesen. 'Aber der Druck war nicht so groß.' Einen regelrechten Kampf um die Kunden gebe es heute. 'Es können ja alle nur einmal zum Friseur gehen.' Und der Kreis potentieller Kunden werde durch Wegzug oder Arbeitslosigkeit kleiner. Dahingegen gebe es etwa in Weißenfels 'wahnsinnig viele' Friseure, so die Obermeisterin der Friseur-Innung Weißenfels-Hohenmölsen. Der Umsatz in ihren Salons sei dieses Jahr um fünf Prozent zurückgegangen, die Material- und Betriebskosten gleichzeitig um vier Prozent gestiegen. Eine Schulungsreise für sie und ihre Mitarbeiter ist deshalb in diesem Jahr noch nicht drin gewesen.
Hinzu kommt: 'Der Kunde erwartet heute mehr.' Selbstverständlich haben ihre Salons wochentags bis 19 oder 20 Uhr geöffnet. Ein Kaffee ist natürlich inklusive. Die ausführliche Beratung sowieso. Und auf Wunsch auch der Hausbesuch. 'Jeder wünscht sich, dass die Friseure für ihre Arbeit mehr verdienen', sagt die Salon-Chefin - 'aber kaum jemand ist bereit, mehr für seine Frisur zu bezahlen'. Mancher könne es eben auch nicht. Doch, und das ist ihr wichtig: 'Wir lieben diesen Beruf. Und Geld ist nicht alles, um glücklich zu sein.' Quelle: www.mz-web.de
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