| Mehrwertsteuer runter, Preise rauf |
Wofür die Friseure schon lange kämpfen, hat die Hotelbranche zum Jahreswechsel erhalten. Die Möglichkeit, für ihre Dienstleistung den Mehrwertsteuersatz von 19 auf 7 Prozent zu senken.
Was allerdings nicht gleichbedeutend ist, dass die Hotels auch ihre Preise gesenkt, also die Steuereinsparung an die Kunden weitergegeben haben. Dabei war es doch eines der angeführten Argumente für die beantragte Reduzierung, dass die Hotels international wettbewerbsfähig bleiben sollen, angesichts der im Gegensatz zum europäischen Ausland hohen Besteuerung durch den Staat.

Wie hat die Branche also reagiert?
Wann immer ich derzeit bei Mandanten unterwegs bin, darf ich die Dienste von Hotels in Anspruch nehmen. So frage ich derzeit auch alle Hoteliers, wie sie mit der Mehrwertsteuersenkung umgegangen sind. Die meisten Gasthäuser haben – so ihre eigene Aussage – 'die Preise stabil gehalten'. Dies bedeutet in Wahrheit, dass sich die Hotel-Unternehmer zum größten Teil die eingesparte Differenz nun in die eigene Tasche stecken. Allerdings sieht dies bei Geschäftskunden anders aus!
Hier hakte ich auch bei den Hotelchefs nach. In diesem Fall fragte ich eine Hotel-Chefin beim Bezahlen, ob sie wohl ihre Preise nach der Mehrwertsteuersenkung reduziert habe: 'Nein, wir konnten die Preise stabil halten!' 'Dann bedeutet dies ja doch eine versteckte Preiserhöhung?' Sie antwortete völlig verständnislos: 'Wieso, Sie bezahlen doch den gleichen Preis wie vorher!' 'Ja schon, aber für die Firmen, die sich bei Ihnen einbuchen, bedeutet dies eine echte Preiserhöhung!' 'Wieso?' 'Weil die Unternehmen nur an Netto-Preise interessiert sind und diese haben sie ja erhöht!'
Jetzt kam der Hammerspruch:
'Das kann Ihnen ja egal sein, das bezahlt ja eh Ihre Firma!' In mir stieg mehr und mehr Unverständnis - ganz vorsichtig ausgedrückt - angesichts dieser frechen Aussage: 'Entschuldigung ich bin die Firma. Für uns bedeutet dies eine Preiserhöhung!' 'Ja, aber es wird doch alles teurer. Alleine die Energie!' Ich fragte sie, 'Wie würden Sie eigentlich handeln, wenn sich ein Budget für einen Kostenbereich in Ihrem Unternehmen von einem auf den anderen Tag um 12 Prozent erhöht?' Und nun der Ausdruck der absoluten Argumentationslosigkeit: 'Naja, so ist halt das Leben!' Aus diesem Grund gehen wir mit dem Thema Hotelkosten im Moment sehr sensibel um.
Dies können wir Ihnen als Geschäftskunden ebenfalls nur raten: Prüfen Sie vor einer Buchung erst einmal die Preispolitik der Hotel-Unternehmen sehr genau!
Interessant ist vor allem die Tatsache, dass sich die Hotels vor allem während der Wirtschaftskrise darüber beschwert haben, dass sich die Buchungen durch die Geschäftskunden stark rückgängig entwickelt haben. Dann kann es ja nur eine sehr feinfühlige Geschäftspolitik sein, dass die Preise für die Unternehmen netto um 12 Prozent angehoben werden. Einmal mehr ein Beispiel, wie man die Preise nicht auf die Zielgruppe ausrichtet, sondern ausschließlich eigene Belange berücksichtigt. Sicherlich tut dieser von der Politik durchgesetzte Differenzgewinn den Übernachtungsunternehmen gut, doch was hilft es, wenn die Buchungen durch Geschäftsreisende weiter zurückgehen?
Natürlich werden die großen Konzerne mit den Hotelketten eine Netto-Preisbindung fixiert haben. Doch was tun die kleinen Unternehmen? Es lohnt sich auf jeden Fall an der Rezeption zu fragen, ob die Hotels die Preise nicht verändert haben, und was die Hotels nun bereit sind, angesichts der Firmenkundenthematik zu unternehmen. Hier besteht bestimmt bei vielen Hotel-Unternehmern ein Spielraum für Verhandlungen.
Ihr
Harald Müller
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21.05.2012 - 23:16:56 Letzte Aktualisierung: 18.05.2012
ISSN - 2190-9873
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