Friseurinnen und Hartz IV

Der letzte Arbeitstag vor dem Mutterschutz vor Baby und Babypause für Linda M. „Schade..!“ so die Meinung vieler Kunden den Linda war als Topfriseurin zu Recht sehr beliebt. Pro Monat durchschnittlich 2.500,- € weniger Umsatz bestätigten dieses Monate später und zeigten, das es Lindas Kundinnen waren, die ausblieben.

Das diese Kundinnen trotzdem Top frisiert an unserem Salon vorbei spazierten hatte einen einfach Grund: 2-3 mal wöchentlich machte Linda mit Werkzeugkoffer die Runde… so blieb es auch nach dem Mutterschaftsurlaub und Heute ist Linda mit Sohn an der Hand unterwegs. Dem Arbeitsmarkt steht sie nicht mehr zur Verfügung, ihre verfügbare „Arbeitszeit“ beschränkt sich auf wenige Vormittagsstunden wenn der Sohn in der Schule und die Friseurbetriebe leer sind…
Das Einkommen ihres Mannes (Straßenkehrer) plus aufstockende Hartz IV Leistung und Nebentätigkeit machen es möglich das die Familie zwei Autos und ein Wochenendhaus in den Niederlanden ihr Eigen nennt.

Linda fehlte uns und so suchten wir händeringend eine kompetente Verstärkung für unser Team. In den letzten 18 Monaten schickte uns die Agentur für Arbeit genau 87 Mitteilungen über Bewerber/innen die da kommen sollten. Tatsächlich lag die Quote bei ca. 50% die sich meldeten. Manchmal auch direkt mit dem Hinweis das in Kürze der „verdiente“ Urlaub ansteht. „In Absprache mit der Agentur..“ natürlich.

Mein Gespräch mit der Sachbearbeiterin der Agentur für Arbeit brachte die Erkenntnis dass es verständlich sein müsste wenn die Friseurinnen sich weigern für so wenig Geld zu arbeiten und ich als Arbeitgeber doch mehr bezahlen solle. Mein Hinweis das ich der Agentur regelmäßig melde ,wenn Bewerber sich nicht melden, und nicht verstehe das keine Sanktionen erfolgen, wurde mit dem Hinweis beantwortet, das dieses für die Betreffenden unzumutbar wäre, diese dann ohnehin zum Sozialamt gingen und dann dort ihr Geld bekommen.

Irina V. kam durch die ARGE in unser Team und überraschte durch fachlich einwandfreie Leistungen. Hochsteckfrisuren in kürzester Zeit – sogar mein Team konnte davon lernen. Irina musste diesen Teilzeit-Job annehmen sonst hätte es keinen Unterhalt mehr für sie gegeben, so ihre Aussage. Unser Team wunderte sich: DIOR Make up, DIOR Tasche, Designer Kleidung, uns blieb nicht verborgen das Irina weitere Haarschnitte für den Feierabend per Handy terminierte. Drei Monate einwandfreie Arbeit, dann lies die Motivation nach. Der Grund wurde mir beim ausfüllen eines Formulars ersichtlich. Irina erhielt für sich und ihr Kind pro Monat 918,- Euro Unterhalt (netto, für’s Nichtstun) und nun drohten drastische Abzüge weil sie arbeitete. Da Arbeit und Deutschkenntnisse von Tag zu Tag schlechter wurden endete das Arbeitsverhältnis.
Irina kostet dem arbeitenden Steuerzahler 918,- €uro im Monat.

Zwei Monate später fand Nicole zu uns. Abgebrochene Friseurausbildung wegen Schwangerschaft. Die angefragte Förderung durch die Agentur für Arbeit war nicht möglich. So schulten wir die junge Dame in den ihr, von der Agentur erlaubten 15 Stunden pro Woche, auf unsere Kosten. Sie verbrauchte Waren die wir bezahlten, die Behandlung an Modellen erfolgte ohne Berechnung. Sie kostete unser Geld.

Nach gut drei Monaten war die Erweiterung der Tätigkeit in Sicht allerdings herrschte gerade Sommerflaute. Die Woche war ruhig und Nicole arbeitete nur 13 Stunden. Von meiner Bitte die restlichen 2 Stunden in der folgenden Woche nachzuarbeiten erfuhr der Sachbearbeiter bei der Agentur für Arbeit und verbot ihr jede weitere Tätigkeit in unserem Salon. Das war nicht zulässig erfuhr ich von ihm, ich hätte mich strikt an die 15 Std. zu halten. Diese Maßnahme gegen die Arbeit kostet dem Steuerzahler rund 600,- €uro pro Monat.

Ein ähnlicher Fall wiederholte sich Monate später. Gabi musste Arbeit annehmen, die Tochter war nach Meinung der ARGE jetzt alt genug. Gut zwei-drei Monate gute Arbeit dann die Bitte der Mitarbeiterin: „Chef, können Sie mich kündigen? Ich verdiene hier nur Tarif – mit Hartz IV habe ich mehr raus..“ Nein, ich habe abgelehnt. Mit der Folge das mir diese Friseurin etliche Kunden „versiebte“, ihren Umsatz in den Keller fuhr so das ich sie kündigen musste. Fristgemäß, für etwas anderes gab es keine Begründung.

Allerdings unterhielt ich mich mit der Agentur für Arbeit über diesen Vorfall. „Sie haben fristgemäß gekündigt, das zeigt das die Sache für Sie doch wohl in Ordnung war!“
Kein Handlungsbedarf aber rund 1.000 €uro pro Monat zu Lasten der Steuerzahler.

Im Dezember 2009 begrüßten wir eine Praktikantin der Berufsförderung bei uns.
Nett, zuverlässig, schulisch aber schwach und vollkommen unentschlossen über ihre berufliche Zukunft. Friseurin eher nicht – so ihre Worte.
Für mich unverständlich: mit Engelzungen versuchte die Betreuerin ihr den Friseurberuf schön zu reden und uns eine Auszubildende anzudrehen. Kostenlos – der Steuerzahler zahlt….! Wir haben abgelehnt.

Katrin ist jetzt den zweiten Monat bei uns. Januar und Februar auf 400,- €uro Basis, danach eine 25 Stunden Woche. Trotzdem kollidieren ihre Arbeitszeiten mit den Forderungen der ARGE: obwohl Katrin ihren Arbeitsvertrag vorgelegt hat muss sie einen Lehrgang absolvieren: EDV und Bewerbungen schreiben.

Auch dieses verstehe ich nicht: Katrin war zwischenzeitlich im Büromanagement tätig, ihre Zeugnisse bescheinigen hervorragende EDV Kenntnisse und ich darf sagen: es war die beste Bewerbung die ich in den letzten 10 Jahren in den Händen hatte! Ach ja, ich vergaß: der Lehrgang wird von der ARGE finanziert. Also vom Steuerzahler.

Armes Deutschland? Nein – aber so macht man Deutschland arm!!!

Mir ist bewusst das es viele arme Menschen gibt die es zu unterstützen gilt. Aus Beruf und Praxis weiß ich aber auch dass die Zahl der Schmarotzer weit, sehr weit höher ist als in Regierungskreisen oder anderswo angenommen.

Die vielen Kritiker die einen Minister Westerwelle jetzt angreifen sollten sich eine Zeit ins Handwerk oder einen Dienstleistungsberuf begeben bevor sie urteilen. Ja, Westerwelles Worte waren plakativ – aber die Aussage „für weniger als 12,- €uro/ Stunde arbeite ich nicht“ von denen die „hartzen“ und zu Hause bleiben - ins Gesicht derer die sich für weniger Einkommen den ganzen Tag mühen ist es auch!

Übrigens: eine Lehrerin erzählte mir vor wenigen Tagen: in Ihrer Klasse nach dem Berufswunsch befragt – kommt von Schülern inzwischen die Antwort: „ich gehe hartzen!“
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!

Fazit:
In 18 Monaten 87 von der AfA angekündigte Bewerbungen.
47 meldeten sich überhaupt nicht.
7 meldeten sich krank oder der Urlaub stand bevor
7 vereinbarten einen Termin zur Probearbeit, erschienen aber nicht.
3 wollten nach der Probearbeit bei uns arbeiten. Fehlten direkt am 1. Tag (2 krank)
9 machten bereits im Vorstellungsgespräch einen schlechten Eindruck.
Der Rest war zu unqualifiziert.









Quelle: Rene Krombholz - friseur-news.de

07.09.2010 - 01:14:33

Letzte Aktualisierung: 06.09.2010
ISSN - 2190-9873


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