Selbständig als Hausfriseuse?

Sie stehen im Zwielicht, Friseure, die – bepackt mit einem kleinen Köfferchen – in ihrem Beruf in den Wohnstuben der Kunden nachgehen. Sie stehen im Zwielicht, weil diese Art der Berufsausübung von einigen schwarzen Schafen leider häufig an der Grenze der Legalität ausgeübt wird. Dabei kann die Dienstleistung zu Hause nicht einfach ignoriert werden, trifft sie doch den Nerv der Zeit.

‚Fliegende Friseure‘ werden dem Verbraucherwunsch nach flexibler, professioneller Bedienung im eigenen Zuhause – ähnlich einem ‚Pizza Service‘ gerecht. Renè Krombholz machte sich auf die Suche nach einer legal arbeitenden ‚Hausfriseurin‘ und bietet mit diesem Beitrag Anstoß zur Diskussion über ein interessant-brisantes Thema.

‘1990, nach der Geburt meines zweiten Kindes kam mir der Gedanke, Familie und Beruf zu kombinieren. Der Gedanke an sich ist nichts Besonderes, nur wollte ich es perfekt machen‘, erzählt Susanne. ‚Mein Beruf ist meine Leidenschaft, meine Kinder sind es aber auch. An meinen Job als Geschäftsführerin konnte ich nicht wieder anknüpfen, das war eine Full-Time- 50 Stundenwoche. ‘

Ein eigenes Geschäft mit allen Konsequenzen war ebenfalls undenkbar. Irgendwann kam ihr die Idee: Hausfriseurin aber mit Niveau!

Sie erinnert sich: ‚ Schwarz wollte ich so etwas absolut nicht machen, also ging ich erst mal den bürokratischen Weg. Anmelden bei der Handwerkskammer, Gewerbeaufsichtsamt usw. Nach zahllosen Telefonaten, Gesprächen und Behördengängen hatte ich endlich meine Handwerkskarte. ‘

Somit war der erste Schritt getan: Ihre Zielgruppe hatte sie auch schon: Frauen, auf dem Weg zum schönsten Tag ihres Lebens! (Beachtenswert: Wie viele Friseure machen sich selbstständig, ohne überhaupt eine Vorstellung von Zielgruppen zu haben!) Unter dem Motto:‘ Der Tag ist einzigartig Ihre Frisur sollte es auch sein! ‘, startete Susanne ihre erste Werbekampagne. Offenbar war dies eine Marktlücke, ein Volltreffer. Susanne erzählt: ‚Von den Schultern aufwärts bin ich für meine Braut da. In Vorgesprächen werden so lange Frisuren-Vorschläge gemacht, bis eine Übereinstimmung gefunden ist. Das erfordert natürlich fachliche Qualifikation und Einfühlungsvermögen, es ist eigentlich mehr ein Erspüren der Bedürfnisse.‘

Ist der Hochzeitstag gekommen, steht Susanne jederzeit zur Verfügung. Make Up, Frisur und so nebenbei noch psychologische Betreuung. ‚Die Braut, sie fühlt sich schön und ist es auch‘ , sagt Susanne – ‚Der Bräutigam sieht sie zum ersten Mal, und ich fühle mich ein bisschen wie Linda de Mol.
Doch Spaß beiseite, es ist ein unbeschreibliches Gefühl, am Glück anderer ein bisschen beteiligt zu sein! Ja , was Friseure können, können nur Friseure‘, lacht sie.

Beim Hochzeitsservice ist es natürlich nicht geblieben. Ihre beste Werbung , ist ihre gute Arbeit, und so wird sie auch nach der Hochzeit weiter gebucht. Ob sie denn bei Hausbesuchen billiger sein muss (trotz guter Beratung) und auf ihre Kosten kommt, fragte ich sie. ‚Stimmt, ich lege viel Wert auf gute Beratung. Aber das honoriert sich von selbst, da ich meistens auch nach der Hochzeit geordert werde. Auch die Mundpropaganda, die durch ein gutes Beratungsgespräch nicht ausbleibt, ist auch eine Art von Honorar. Da außer Fahrtkosten kaum Auslagen entstehen, komme ich auch ohne überdimensionale Preise auf meine Kosten. Für Beratung, Make-up und Brautfrisur berechne ich ab ca. 100 Mark, bei längerer Anfahrt kommt noch eine Kilometerpauschale hinzu. Die Preise meiner anderen Dienstleistungen sind der Region angepasst', erwidert sie. Wermutstropfen gibt es aber auch bei ihr. Da die Brautsaison im Mai beginnt, macht sie Beratungsgespräche während andere im Biergarten sitzen. Viele Brautpaare lassen sich vor der Hochzeit fotografieren, entsprechend früh muss Susanne ran. Da heißt es oft samstags morgens 6 Uhr aufstehen, also nichts für Langschläfer.

Aber für einige, vielleicht eine Idee Beruf und Familie zu verbinden. Vernünftige Arbeit und vor allen Dingen Beratung vorausgesetzt, kann diese Art eines Unternehmens lohnenswert sein.

Über einen Satz von Susanne habe ich recht lange nachgedacht:

‚Mir kommt es beim Umgang mit Kunden sehr auf gute zwischenmenschliche Beziehungen an. Sprache, Sympathie. Körperhaltung, Beobachtungsgabe. Immer wieder neues Erspüren von Situationen sind heutzutage fast wichtiger als eine teure Schere!‘

Wer dieses berücksichtigt, konsequent vertritt und zudem gut arbeitet, der kann nur Erfolg haben - gleich wo!


Wir fragten Wolfgang Petri, Geschäftsführer der Friseurinnung Köln:

Es gibt zwei Möglichkeiten, ein Wandergewerbe oder ein stehendes Gewerbe zu betreiben.

Im ersten Fall darf der Friseur von Haus zu Haus gehen und seine Dienstleistung anbieten. Als Voraussetzung braucht er die erfolgreich abgelegte Meisterprüfung und einen Gewerbeschein. Im anderen Fall, und das ist sicherlich bei den meisten ‚Hausfriseuren‘ so, handelt es sich um ein stehendes Gewerbe. Von dieser Variante ist immer dann auszugehen, wenn der jeweilige Friseur für sich wirbt. Sobald er Handzettel verteilt oder sein Fahrzeug für Werbezwecke nutzt, um seine Dienstleistung anzubieten, muss er neben der Meisterprüfung und dem Gewerbeschein auch in der Handwerksrolle eingetragen sein. Er unterscheidet sich damit rechtlich nicht von einem ganz normalen Friseurbetrieb. Der einzige Unterschied, der Hausfriseur muss sich nicht an das Ladenschlussgesetz halten.













Brautfrisuren – eine Marktlücke, die durch Hausfriseurinnen geschlossen wird.

Quelle: Rene Krombholz für CLIPS

21.05.2012 - 23:11:12

Letzte Aktualisierung: 18.05.2012
ISSN - 2190-9873