
Friseure spalten sich in drei unterschiedliche Arbeitnehmertypen mit unterschiedlichen Bedürfnissen auf. Erstmals klärt eine Arbeitsmarktstudio im Friseurhandwerk über Motive, Ziele und Wünsche der Mitarbeiter auf. Über 1000 Friseure und Lehrlinge haben einen umfangreichen Fragebogen ausgefüllt, die Wirtschaftsuniversität Wien unter Leitung von Professor Björn Ambo wertete die Ergebnisse im Auftrag der beiden Jobbörsen Friseurjobagent in Deutschland und Österreich aus.
Fachleute predigen es schon lange und die meisten Unternehmer spüren es selbst: Es wird zunehmend schwieriger gute Friseure zu bekommen. Chefs müssen in Zukunft nicht nur Marketing für Kunden, sondern vor allem auch für Arbeitnehmer machen. Dafür müssen sie zunächst wissen, was Friseure motiviert, was sie zufrieden macht, wie man sie für den Beruf gewinnt und dort hält. Wissenschaftlich belegt liefert die erste Arbeitsmarktstudie
nun verlässliche Daten und teilt Mitarbeiter in drei unterschiedliche Kategorien ein. Diese sind:
• Die Berufenen
• Die Arbeiter
• Die Zufriedenen
Sicher erkennen Sie bereits, welche Eigenschaften die jeweilige Gruppe kennzeichnet. Die Berufenen sind Menschen, welche mit Leidenschaft Friseur sind und diesen Beruf immer wieder wählen würden. Sie sind einssatzfreudig, haben eine hohe Belastbarkeit, sind für viel Weiterbildung in der Freizeit und haben durch diese eine hohe Motivation. Auch Awards und Aufstiegschancen sowie die Wertschätzung für ihre Kreativität und Arbeit motivieren sie. 84% dieser Menschen erwägen in späteren Jahren einen eigenen Salon.
Die Arbeiter sind sozusagen das krasse Gegenteil. Motivation wird durch Geld geschaffen und durch Motivationsschübe von Außen. Von der Arbeit selbst erhalten sie keine Befriedigung. Sie schauen beständig auf die Uhr, denken montags bereits ans Wochenende. Die Arbeit verrichten sie, weil es notwendig ist, zu arbeiten, aber gerade nur so viel, wie nötig. Die Weiterbildung ist in Ordnung, aber bitte nicht in der Freizeit und der Arbeitgeber muss die anfallenden Kosten tragen und bezahlen.
Die Zufriedenen sind zwischen den bereits genannten Typen einzuordnen. Sie sind gerne Friseur und die Motivation kommt durch Lob. Anerkennung und die Einbindung im Team mit geringer Verantwortungsübernahme zeichnen die zufriedenen Mitarbeiter aus. Weiterbildung ist für sie wichtig.
Gehen Sie bitte einmal in Gedanken Ihre Mitarbeiter gemäß dieser Zuordnung durch. Jeder Typ benötigt andere Führungsansätze und besitzt andere Motivationsfaktoren. Während die Berufenen nur ein Vorbild und Coach suchen, haben die Arbeiter eine strenge Aufsicht notwendig. Es ist auch nicht möglich, diese alleine zu lassen, regelmäßige Führung und Kontrolle ist hier unerlässlich. Die Zufriedenen suchen Führung, Lob und meist auch Sicherheit.
Denken Sie auch an die zukünftigen Mitarbeiter. Aus welcher Gruppe wollen Sie Ihr Team zusammenstellen?
Die Arbeiter wollen ein hohes Fixgehalt, keine Überstunden, Seminare in der Arbeitszeit und freie (Sams-)Tage. Die Zufriedenen wollen ein gutes freundliches Team, Weiterbildung und Wertschätzung der Arbeit mit einem sicheren Arbeitsplatz. Die Berufenen wollen viel Weiterbildung, selbstständiges Arbeiten, Aufstiegschancen und die Aussage, dass sie mehr als nur Friseur sind und ihre Kreativität ausleben können.
Allzu oft erlebe ich, dass sich eine Führungskraft wünscht, aus einem Arbeiter einen Zufriedenen oder gar Berufenen zu machen, um in dieser Kategorisierung zu bleiben. Aber mal ganz ehrlich, haben Sie schon einmal erlebt, dass aus einem Schoßhund ein Jagdhund wird?
Andere wundern sich, dass Mitarbeiter, die am Anfang sehr gute Leistungen erreichten, diese schon länger nicht mehr erbringen. Dieser Umstand ist vor allem bei Auszubildenden zu erkennen. Die Meisten sind zu Beginn der Ausbildung top motiviert, zum Ende der Lehrzeit vollkommen demotiviert und warten eigentlich nur noch auf das Ende der Lehrzeit.
Warum sind diese Sachverhalte so? Aus meiner Sicht spielt die mangelnde Führung eine entscheidende Rolle in den Salons. Und hier muss ich meinen Geschäftspartner Klaus Schaefer, der die nachfolgende Aussage bereits in vielen seiner Vorträge platzierte, zitieren: Da kommen die Chefs und wünschen sich Motivation, sprechen von Gerechtigkeit und meinen Gleichmacherei - „Ungleiche Menschen gleich zu behandeln, ist nicht Gerechtigkeit, sondern Gleichmacherei!“
Reinhard Sprenger – Referent an unserem Kongress im März 2008 - sagte, dass der Wille des Mitarbeiters nur zu einem geringen Teil von der Führungsperson bestimmt werden kann. Es muss schon vielmehr davon gesprochen werden, dass der Chef einzig und alleine eine einzige Aufgabe hat: Nämlich den Mitarbeiter nicht zu demotivieren! Meines Erachtens passiert genau das durch die oft ungenügenden Gedankenansätze der Chefs. Hier müssen sich die Führungskräfte doch einmal folgende Frage stellen: Warum arbeiten meine Mitarbeiter eigentlich in meinem Salon? Auf diese Frage erhalte ich sehr selten eine wirklich gute Antwort!
Ich bin der Meinung, dass es in den folgenden Jahren immer wichtiger wird, gute Mitarbeiter im Unternehmen zu halten und noch schwieriger, gute Mitarbeiter zu finden. Dies ist ein strategisch wichtiger Moment der kommenden Jahre und hier sind Sie gefragt.
Trainieren Sie sich auf einen guten Umgang und nutzen Sie die Werkzeuge, die Ihnen in unserem Führungsseminar mit Harald Müller an die Hand gegeben wurden oder auch noch werden. Es geht um den Umgang mit den Menschen! Laut der Studie der Uni Wien steht das Zwischenmenschliche bei der Arbeitgeberwahl auf Platz eins, noch vor Image des Unternehmens und Bezahlung!
Franc Braun – Friseurunternehmer aus Kaarst - erläutert dies in seinem Seminar aus Friseursicht mit Praxis Know How. Franc Braun muss es wissen: Angefangen hat er mit der Übernahme des elterlichen Betriebs und hat mittlerweile bereits rund 50 Mitarbeiter in seinem Salon. Unter dem Motto: „Es gibt nichts Gutes außer man tut es!“ - will ich sie auffordern, sich mit ihren Mitarbeitern auseinander zu setzen und für das Jahr 2010 neue Weichen zu stellen - am Besten bei der bevorstehenden Planung für das nächste Jahr. Sprechen Sie mit Ihrem Berater oder dessen Assistenten, was wann und wie im kommenden Jahr auf Sie zukommen kann und wie Sie sich in diesem Bereich weiterbilden können.
Viel Spaß bei der Führung im Jahr 2010 wünscht Ihnen Ihr Stefan Dax
Quelle: Stefan Dax - Berater Schäfer und Partner Consulting (SPC)
|