Ständiger Umsatzdruck?

MITARBEITER
Soll-Umsatz und Umsatzpflicht
Manchen Mitarbeitern ist es offensichtlich nicht bewusst woher ihre Löhne kommen. Keiner erklärt ihnen warum ein bestimmtes Umsatzsoll erreicht werden muss.
Die Forderung allein, die wird als Druck empfunden.
Mitarbeiterstimmen und Antworten dazu...

Fast jede Woche neue Botschaften in der Fachpresse über die schlechte wirtschaftliche Lage der Frisöre. Wir als ausführendes Organ müssen uns wieder und wieder anhören wie schlecht die Lage ist und somit unsere Arbeitsplätze latent immer am Rand des Abgrunds stehen. Uns wird anhand von Aufrechnungen des Betriebs - der Lohnkosten vorgerechnet wie viel der Betrieb an Verlust macht bestenfalls was er an Gewinn macht. Wir müssen den Berechnungen die man uns darlegt glauben.

Anja K. Friseurin - Schwelm

Wirtschaftlich haben Friseure in den letzten Jahren nicht die besten Zeiten erlebt sondern ständig sinkende Umsätze mit steigenden Kosten in Einklang bringen müssen. Darüber hinaus sind solche Gespräche mit Mitarbeitern sinnvoll um wirtschaftliche  Notwendigkeiten klar zu machen die ein Betrieb zum Überleben braucht. Schweigen oder Schönfärben  mag angenehmer sein, zumindest bis man wie aus heiterem Himmel vor der Insolvenz steht.

Dann allerdings kommt der Vorwurf: „Warum wurde nichts gesagt?“  
Ob Sie das glauben was man Ihnen an Zahlen vermittelt, bleibt Ihnen überlassen. Fakt ist jedoch das derzeit nicht weniger Unternehmer mit dem Einkommen eines Mitarbeiters nach Hause gehen und eine Vielzahl von Betrieben wirklich latent am Abgrund stehen.

 

Sie sollten als Fachkraft aber darüber informiert sein welchen Pflichtumsatz Sie erwirtschaften müssen um Ihren Arbeitsplatz zu finanzieren und zu sichern  – und Sie sollten wissen wie weit Sie diesen Anforderungen gerecht werden!  Das können Sie ja problemlos selber nachvollziehen, kennen sie Ihre Monatsumsätze?

Der Druck den" MUSS" Umsatz zu erreichen ist für viele meiner Kollegen ernorm, psychosomatische Krankheiten sind daher keine Seltenheit mehr.

Gabi T. Friseurin - Plettenberg

So gut wie jede Branche hat einen Tarifvertrag aus dem sich Rahmenbedienungen ableiten. Beispielsweise die zu erbringende Arbeitszeit. Sie finanzieren Ihren Arbeitsplatz aber nicht durch absitzen der im Tarifvertrag genannten Stundenzahl, sondern durch produktive Arbeit die Geld für Ihren Lohn und sonstige Kosten in die Kasse bringt.

Aus Ihrer Arbeitszeit und den Kosten des Betriebes lässt sich der erforderliche Umsatz ableiten, nicht nur in der Friseurbranche! Es ist überall Pflicht des Arbeitnehmers den notwendigen Soll-Umsatz zu erarbeiten – ein Postbote kann auch nicht nur 50% der Post verteilen und wenn Sie in der Boutique nur 1 Bluse am Tag verkaufen sind Sie auch Ihren Job los.

Wenn Sie Ihre Zahlen ( Umsätze) nicht erfüllen, muss der Unternehmer Druck machen, letztlich zahlt er sonst die Fehlbeträge aus seiner Tasche. Oder kündigt Ihr Arbeitsverhältnis…

Wenn  psychosomatische Krankheiten daraus resultieren wenn darauf hingewiesen wird das man seine Pflicht zu erfüllen hat, dann bleibt zu hinterfragen ob noch andere Faktoren oder vielleicht eine falsche Einstellungen zur Arbeitswelt eine Rolle spielen.

Voraussetzung ist natürlich das solche Gespräche in einem konstruktiven und nicht verletzendem Rahmen geführt werden!

Kunden werden nicht mehr in Ruhe und mit Geduld intensiv beraten und individuell bedient, obwohl wir es nach Aussage unserer Vorgesetzen tun sollten, sind sie zu Geldmaschinen geworden damit der Umsatz stimmt. Jeden Tag sehe ich in unserem Computer die Warnung das mein Umsatz zu wenig ist.

Gabi W. Friseurin - Köln

Das was von Ihnen gefordert wird ist ein Pflichtumsatz in bestimmter Höhe. In wie weit Ihr Umsatz bei guter Beratung und guter Arbeit zu erreichen ist lässt sich per Ferndiagnose nicht feststellen. Am Ende eines Monats sollten Sie Ihren Bruttolohn aber zwischen 3 und 4 mal erwirtschaftet haben. Wenn Sie 1.000 € verdienen (brutto) sollte Ihr Umsatz also zwischen 3.000 € und 4.000 € liegen.

Diesen können Sie erreichen durch höherwertige Arbeit und Beratung zu höheren Preisen oder durch Menge, was schnelleres Arbeiten und Masse bedeutet. Umsatz ist immer noch das Ergebnis von Menge mal Preis. 

Am 1.April habe ich eine neue Stelle angefangen. Mein Chef hat gesagt das ich im Monat für 2.800 €uro Kunden bedienen soll. Darf er so etwas verlangen?

Kathy - Schleswig

Ja natürlich, er muss es  sogar! Das Geld was sie verdienen, was sie an Material, an Energie und andere Kosten verbrauchen zahlt Ihr Chef ja nicht aus eigener Tasche. Das ist Geld von den Kunden welches in die Kasse kommt. Und wenn sie 1.000 € verdienen wollen dann reichen 500 E in der Kasse nicht aus.

Hier eine Aufrechnung vom Unternehmensberater Stefan Dax bei SPC (der größten Deutschen Unternehmensberatung für Friseure)

Wie viel muss ein neuer Mitarbeiter umsetzen, der monatlich 1.300,- Euro Bruttolohn erhält?
Es ist wie üblich, der Mitarbeiter bringt keine Kunden mit.
Wie viel benötigt das Unternehmen an Mehrumsatz?
Was bedeutet dies für den Mitarbeiter an Mindestleistung?

Meine Antwort darauf ist immer, dass der neue Mitarbeiter in den ersten drei Monaten mindestens seine eigenen Kosten erwirtschaften muss! Dies bedeutet für dieses Unternehmen folgende Rechnung:

1.300,- Euro Bruttolohn:                                                                 
-- 55,- Euro Weihnachtsgeld (50% vom Brutto)             
1.355,- Euro Monatlicher Bruttolohn                                       
--406,-Euro Lohnnebenkosten (vereinfacht: 30%)                 

1.761,- Euro Gesamte Lohnkosten

Um den Umsatz, den der Mitarbeiter leisten muss, zu erzielen benötigt er Ware. Der Wareneinsatz beträgt in unserem Beispiel 12 %. Da der Umsatz 100 % entspricht, der Wareneinsatz 12 % beträgt, sind die Lohnkosten damit 88 %. Dies ist eine In-Hundert-Rechnung. Wenn 1.761,- Euro monatliche Lohnkosten 88 % sind, dann ist der Wareneinsatz zu rechnen, indem die 1.761,- Euro durch 88 geteilt werden und dann mit 12 multipliziert werden.

Der Wareneinsatz beträgt demnach also 240,- Euro. Der Umsatz netto, den der Mitarbeiter tätigen muss, um keine Renditeschmälerung hinnehmen zu müssen beträgt damit 2.001,- Euro.

1.761,- Euro Gesamte Lohnkosten
240,- Euro Materialkosten
2.001,- Euro notwendiger NETTO Umsatz

Jetzt noch die Umsatzsteuer in Höhe von 380,- Euro dazu, dann ist die notwendige Einnahme des Mitarbeiters in den ersten drei Monaten 2.381,- Euro. Bei durchschnittlich 17,5 Arbeitstagen pro Monat muss also der Mitarbeiter 136,- Euro pro Tag umsetzen.

2.001,- Euro notwendiger NETTO Umsatz
--380,- Euro abzuführende Umsatzsteuer
2.381,- Euro notwendiger Umsatz für die ersten drei Monate
( Pro Monat ! )

In den Monaten vier bis sechs sind dann die Gemeinkosten zusätzlich zu erwirtschaften. Im vorliegenden Fall sind die Gemeinkosten 6.000,- Euro pro Monat bei vier Vollkräften. Dies bedeutet, dass pro Vollkraft 1.500,- Euro zusätzlich zu erwirtschaften sind. Die Kosten für die Nutzung der Lehrlinge / Zuarbeiter müssen ebenfalls mit erwirtschaftet werden. Dies sind pro Vollkraft 300,- Euro zzgl. Lohnnebenkosten also insgesamt 390,- Euro.  Die fixen Kosten, die der Mitarbeiter nun tragen muss sind insgesamt:

Daraus ergibt sich ein notwendiger Bruttoumsatz von monatlich                                                                4.937,- Euro

Nach 6 Monaten
Rechnet man nun noch einen entsprechenden Gewinnanteil von 1.000,- Euro pro Mitarbeiter ein, so erhöhen sich die fixen Ausgaben auf 4.651,- Euro, der Wareneinsatz auf 634,- Euro und damit der Nettoumsatz auf 5.285,- Euro.
Der benötigte Bruttoumsatz beträgt damit 6.289,- Euro pro Monat. Der notwendige Umsatz pro Tag beträgt also 359,- Euro.

Dies ist in unserem Mustersalon der Fall, rechnen Sie dies für Ihren Salon bitte selbst. 

21.05.2012 - 22:11:59

Letzte Aktualisierung: 18.05.2012
ISSN - 2190-9873


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