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Mit 166.682,- € beziffert Wella EVA (1) den durchschnittlichen Salonumsatz 2006, den durchschnittlichen Gewinn mit 18,7 %.
Wer rechnet merkt: 18,7 % entsprechen 2.597,- € Unternehmerlohn pro Monat, brutto. Nach Abzug von Steuern, Renten- und Krankenversicherung bleiben kaum mehr als. 1.500,- € verfügbares Einkommen oft bei einer 50-60 Stundenwoche im Salon plus Büroarbeit. (2)
Auch der LGH Betriebsvergleich spricht von einer deutlichen Verschuldung der Friseurbetriebe und sagt das nicht die Entnahmen zu hoch sind sondern die Gewinne zu niedrig. Die Vermutung früherer Jahre das hier so einiges am Fiskus vorbeigeführt wird ist inzwischen fraglich. Wer den in den Branchenvergleichen genannten hohen Verschuldungsgrad vieler Betriebe sieht wird ahnen, dass dieses hinterfragt werden muss. Fremdkapital ist heutzutage teuer und unter dem Aspekt von Basel II geführte Bankgespräche alles andere als angenehm.
Nicht die vielfach als Entschuldigung zitierte Konjunkturflaute oder die Friseurindustrie sind Schuld an der derzeitigen Situation.
Nein, viele Ursachen liegen in der Branche selber! Die repräsentative Markterhebung des Magazins „SPIEGEL“ (4) zeigte schon vor einigen Jahren das Kleidung, Schuhe aber auch Socken und Unterwäsche in der Gunst des Publikums mehr Anziehungskraft entwickeln als ein Friseurbesuch. Geändert hat sicht seitdem nicht viel und auch die Erkenntnis des IKV das 59 % der Kunden beim Friseurbesuch nicht das gewünschte Ergebnis erhalten (5) brachte keinen Wandel.
Mit Einführung des Euro holten die Friseure eine längst fällige Preisangleichung nach und erhöhten ihre Preise überdurchschnittlich ( 6).
Fatal dabei: ohne mit den Kunden darüber zu reden oder die Leistung zu steigern. 4,5 Umsatzrückgänge waren die Quittung der Kunden und brachten zahlreiche Betriebe in Bedrängnis was wiederum Tausenden von Beschäftigten in dieser Branche den Arbeitsplatz kostete.
Die Agentur für Arbeit war fleißig, schickte die Arbeitssuchenden zur Meisterschule, anschließend in die Selbstständigkeit. Auch die Altgesellenregelung und die Möglichkeit direkt nach Abschluss der Lehre die Meisterprüfung zu beginnen waren politische Entscheidungen welche die Arbeitslosenstatistik schönten, dem Markt aber schadeten.
Eine große Zahl von zusätzlichen Betrieben musste die Branche inzwischen bei gleichzeitig deutlich weniger Umsatz verkraften
Thema Mindestlohn - die Frage der Finanzierbarkeit bleibt bisher unbeantwortet und wird voraussichtlich zu weiteren Arbeitsplatzverlusten und einer sich daraus ergebenden Steigerung der Schwarzarbeit führen. In einer Zeit wo Großkonzerne überlegen ob zum Anreiz eines Lehrvertrages Laptop oder Handy besser geeignet sind reden wir in der Friseurbranche von Mindestlöhnen und werden in wenigen Jahren riesige Probleme haben vernünftigen Nachwuchs zu bekommen.
Die Lebenshaltungskosten steigen derzeit deutlich. Schon jetzt überlegen unsere Kunden den Einen oder Anderen Friseurbesuch zu sparen – und sprechen sogar offen darüber!
Das Denken hierzulande ist manchmal seltsam. Der Liter Speiseöl wird mit 3,99 € als teuer empfunden aber wir schütten genüsslich den Liter Motoröl für 18,- € in das Auto. Schweinefleisch über 5,- € per Kilo bleibt im Kühlregal liegen aber Katzensnacks als 85g Portion zu 2,98 ( Kilopreis 35,- € ) finden guten Absatz.
Der Wunsch nach „coolen Frisuren“ sollte nicht mit kühler Dienstleistung verwechselt werden. Wir sollten wieder lernen wieder über unsere Arbeit und deren Wert nachzudenken und zu darüber zu reden. Wer mit ganzem Herzen Friseur ist investiert Lebenszeit, fachliches Können, Kreativität, Wissen und auch Emotionen. Wir sorgen dafür das sich die Kundin über Wochen hinweg mit Ihrer Frisur besser fühlen kann, - aber was ist es ihr wert?
So lange Kunden (und selbst viele Mitarbeiter) glauben das vom 30,- €uro Haarschnitt 25,- € als Gewinn übrig bleiben wird sich kein Konsens finden lassen.
1) Erfolgs Vergleichs Analyse für das Friseurhandwerk (Wella AG)
2) abhängig von Kinderzahl und Steuerklasse
4) Spiegel Dokumentation „Outfit V“ Konsumprioritäten - weiteres unter friseur-news Rubrik Markt & Branche / Erfolgsgedanken
5) Marktanalyse des IKV im Jahr 2000
6) Durchschnittliche Preisanhebung 2002 BRD 1,3 % - Friseure 3,5 % ( Quelle: Bundesamt für Statistik
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