
Da die Umsätze im Friseurhandwerk (Einnahmen) in der Regel und überwiegend aus dem Haushaltseinkommen finanziert werden (Ausgaben) und die private Sparquote sich anderer-seits ebenfalls aus dem Einkommen ergibt, kann die Antwort auf die Frage ob es da einen Zusammenhang gibt, doch spannend sein,
Unsere Arbeitshypothese lautet also, kann es sein, dass der Verbraucher die Ausgabe beim Friseur nicht oder weniger tätigt, weil er das Geld lieber spart?
Die Arbeitshypothese ist leider nach Überprüfung jedoch grenzwertig bzw. zu verwerfen, weil der Anteil an den Haushaltsausgaben, den das Friseurhandwerk für sich beansprucht, so gering ist, dass eine Schmälerung oder eine Ausweitung der Sparquote nicht erkennbar fest-zustellen wäre. Schließlich erzielen die Friseure alle zusammen von allen Einwohnern im Durchschnitt je Einwohner verbucht nur etwa 50 € Umsatz pro Jahr. Die durchschnittliche Sparquote dagegen betrug € 1.416,57 pro Jahr (2005) und pro Einwohner. Selbst wenn ein Drittel aller Kunde nicht gekommen wäre, was einer Katastrophe gleichkäme, wäre die Sparquote nur um 1,75 % nach oben vergrößert worden. Allerdings nur dann, wenn das ein-gesparte Geld nicht für anderen Konsum ausgegeben worden wäre, was kaum der Fall sein kann. Denn die Sparquote ist in unserem Land fast eine Konstante und ungefähr mehr als 10-mal so hoch wie in den USA.
Die Sparquote der privaten Haushalte liegt durchschnittlich in einer Schwankungsbreite von 9,2 – 11,0 % (1995-2005) vom verfügbaren Einkommen und hat von daher eine große Dimension. So war z. B. 2005 die Sparquote pro Einwohner mehr als 28-mal so groß wie der Umsatz der Friseure pro Einwohner.
Leider ermöglichen die Daten keine Beurteilung unter dem Aspekt der individuellen Lage einzelner Haushalte, z. B. denen mit besonders geringem oder besonders hohem Einkommen.
Für den Einzelhandel führt Dr. Andreas Peppel aus: „Das Sparen ist durch zwei Gründe motiviert. Zum einen ist es durch die konjunkturelle Situation und die damit verbundene Angst von Liquiditätsengpässen z. B. durch Arbeitsplatzverlust, begründet. Zum anderen…private Altersvorsorge…“
Simonette Carbonaro und Christian Votava kritisieren die Waren-Welt: „Heutige Konsumenten bewegen sich transversal durch alle Marktsegmente und stellen ihren ganz persönlichen Produkte- und Markenmix zusammen. Dabei bevorzugen sie das Segment des Discounts und das der Exzellenz, das für Produkte steht, die mit ihren individuellen Wertevorstellungen konform gehen…“
Mit gewissen Vorbehalten kann man auch für die offenkundig ständig größer eingesparten Leistungen des Friseurhandwerks analog die diversen Begründungen für den Einzelhandel als ursächlich übernehmen.
Benachbart gibt es im Einzelhandel aber immer häufiger den sog. Smart -Shopper der branchenübergreifend ein hybrides Kaufverhalten zeigt, indem er seine früheren Einkaufspräferenzen einfach wechselt. Cluster, gebildet nach soziodemografischen Aspekten, reichen nicht mehr aus. Der Verbraucher scheint sich zu individualisieren.
Die BBE schreibt 2005 bereits: „Teilweise wird sogar von einer langfristig eintretenden Atomisierung der Zielgruppen und der damit einhergehenden erschwerten Zielgruppenansprache gesprochen.“
Smart-Shopping (Geiz ist geil) zielt ausschließlich auf den Preis und versucht, dem Verbraucher den Eindruck zu vermitteln, er bekäme qualitativ Hochwertiges zum Günstigpreis, was natürlich vielfach dann doch nicht so ist.
Friseure, das ist Beobachtung über Jahre, tun sich sehr schwer mit Preispolitik, manchmal aus einer gewissen Trägheit heraus oder einem falschen Verständnis folgend.
Andererseits ist es für eine Branche mit einem Monoberuf und einem Drittel modischen Einflüssen: Haare… und ohne Brandings, relativ problematisch, auf der Preisklaviatur virtuos zu spielen.
Wer mit Preisen strategisch umgeht, sollte das desgleichen mit der Leistung vollbringen. Die oft zu hörende Schlichtmeinung, Leistung sei nur das Haare schneiden oder färben, benennt damit nur einen Teil der Wahrheit.
Es gibt verschiedene Parameter, die Angebote zu differenzieren. Zunächst jedoch müssen die fachlichen Standards definiert sein, dann das Erscheinungsbild der „Bühne“, das fachliche Können der Akteure, die Kompetenz, die Öffentlichkeitsarbeit, im Bereich „Mitarbeiter“, die Umgangsformen, etwas bis mehr Empathie für Kunden, dito für die eigenen Berufsanfänger mit wundersamen Folgen, die beruflichen Ziele usf.
Und dann endlich, nach einem mühsamen Prozess also, kann auch der Smart - Shopper gewonnen werden. Mit Schnäppchen-Preisen, wenn es dort „Gutes günstig“ gibt.
Wer jedoch für eine Schlechtleistung Geld fordert, ist nicht besonders klug, denn wir kaufen für unser Geld einen gesunden Apfel und nicht einen angefaulten. Der gute Apfel sollte allerdings möglichst preiswert daher kommen.
Es darf auch ein Schnäppchen sein.
Oder, anders formuliert:
Wenn sie so gut sind, dass sie erfolgreich Günstigpreise bieten können, spricht das für sie. Weil ihre Leistung als wertvoll eingestuft wird. Na…? Richtig!
Wenn sie gefragt werden sollten, ob sie das nötig haben, dann antworten sie: Ja. Wer denn nicht?
UNTERNEHMENSBERATUNG GOEBEL
BERATD. BETRIEBSWIRT KARL WILHELM GOEBEL –
30938 BURGWEDEL – STADT –REGION HANNOVER
0 5139 – 70 31 & AB 03221-2321329 0178 - 139 39 22 info@goebebelberatung.de
Quelle: UNTERNEHMENSBERATUNG GOEBEL
|