
Hat die 'Geiz ist geil' Welle nun Ihren Höhepunkt überschritten oder nicht? Saturn änderte kürzlich den Werbeslogan und beendet damit eine der erfolgreichsten Werbekampagnen der letzten Jahrzehnte. Qualität hält wieder Einzug in den Köpfen der Verbraucher, hört man immer öfter.
Im Internet allerdings boomen derzeit noch die so genannten Rückwärtsauktionen und auch Friseure finden sich hier. Kunden bieten hier zu erledigende Arbeiten an, fixieren dabei einen Höchstpreis den Sie zu zahlen bereit sind. Handwerker jeglicher Couleur tummeln sich hier und versuchen diesen – vom Anbieter genannten – Höchstpreis zu unterbieten. Der preiswerteste Handwerker erhält den Zuschlag für diesen Auftrag.
Schaut man genauer finden sich natürlich auch Friseurdienstleistungen die gesucht werden. In Massen suchen hier Verbraucher Friseure/innen für jede Art von Arbeit in Sachen Haare und Frisur und werden fündig. Auch das sind also unsere Mitbewerber.
Das von Kunden offerierte Gesuch für maximal 20.- €uro, besser noch weniger, einen Langhaarschnitt mit Frisur und Farbe zu erhalten wird von Friseuren erfüllt und sogar unterboten.

Auch aufwendigere Arbeiten werden hier gehandelt, von Künden die genau wissen was sie wollen: den Farb-Trible zum Beispiel, der aber nicht mehr als 15,- €uro kosten darf. Erstaunlicherweise finden sich Friseure/innen die hierfür arbeiten, kaufmännisch eher ein Minusgeschäft, es sei denn man sieht es als Zubrot zu Hartz IV.
Egal ob Hochzeitsfrisuren für 15.- €uro oder die Haarverlängerung für 50,- €uro. Ich empfinde es als traurig und beschämend zugleich das Menschen bereit sind solche Angebote anzunehmen oder annehmen zu müssen. Fakt ist: selbst wenn Endverbraucher/innen eine Dienstleistung zu einem akzeptablen Startpreis einsetzen: die hier nach Aufträgen suchenden Friseur/innen schaffen es sich gegenseitig so zu unterbieten das rechnerisch ein Stundenlohn von 2,- €uro übrig bleibt, wenn überhaupt…
Genauso empörende empfinde ich das von Gier geprägte Wollen nur das Beste zum günstigsten Preis haben zu wollen, ungeachtet der menschlichen Leistung die sich dahinter verbirgt.
Hinter diesen Tatsachen verbirgt sich aber auch noch ein anderes Problem. Verbraucher sehen Friseurpreise mit ganz anderen Augen. Ein wenig Miete, Wasser, Strom… die Friseurinnen verdienen ohnehin wenig…also muss die Gewinnspanne dementsprechend sein! Hier fehlt die aufklärende Verbraucherinformation, für mich eine nicht geleistete Arbeit unserer Verbände. Ebenso wie die Unterlassung sich einmal näher mit dem Thema Schwarzarbeit zu befassen, nur wenige Innungen gehen hier strikt und erfolgreich neue Wege. Natürlich, die Sicht zum Laufsteg ist attraktiver – Frage ist: was bringt den Friseuren mehr?
(Rückwärtsauktionen: der Kunde sucht eine Dienstleistung und bestimmt was er höchstens dafür ausgeben möchte. Dieses ist dann der Startpreis – die Dienstleister (unter) bieten sich gegenseitig, der preiswerteste Anbieter erhält den Zuschlag)
Quelle: Rene Krombholz für Marktlücke 7/2008 - Weiterverwendung auch Auszugsweise nur mit Genehmigung des Autors
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18.05.2012 - 07:35:40 Letzte Aktualisierung: 17.05.2012
ISSN - 2190-9873
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